Andritz: Gewinnsteigerung trotz Konjunkturflaute

22. August 2001, 10:48
posten

Dicker Auftragspolster trägt Konzern durch - Über weiterer Investitionslaune der Papierbranche hängt ein großes Fragezeichen

Wien - Der Grazer Maschinenbauer Andritz AG rechnet im laufenden Geschäftsjahr trotz zunehmend trüber Konjunktur mit Steigerungen bei Umsatz und Ergebnis. Hauptgrund dafür sei - neben den guten Halbjahreszahlen - der hohe Auftragsbestand, "der einen Arbeitsvorrat von praktisch einem Jahr bedeutet." Damit sei bei Umsatz und Ergebnissen eine gewisse "Planbarkeit" für die nächsten vier Quartale gegeben, erklärte Andritz-Vorstandschef Wolfgang Leitner am Dienstag bei der Präsentation der Halbjahreszahlen. Dass die Investitionslaune der Andritz-Kunden aber ungebrochen an das abgeschlossene erste Halbjahr anschließen werde, sei zu bezweifeln, ließ Leitner durchblicken.

"Wir wissen einfach nicht, wie der Auftragseingang sich weiterentwickeln wird", sagte Leitner, der als Sonderbeispiel die Papier- und Zellstoffindustrie anführte, mit der Andritz 60 bis 65 Prozent seines Umsatzes macht. Seit Jahresbeginn sei der Zellstoffpreis um 30 Prozent zurückgegangen. Sollte der Zellstoffpreis in den nächsten Monaten nicht wieder anziehen, sei damit zu rechnen, "dass sich das niedrige Preisniveau in einer verringerten Projektaktivität niederschlagen wird." Zur Nachfrage-Lokomotive für den Grazer Maschinenbauer könnte sich zunehmend das Asien-Geschäft, speziell jenes mit China, entwickeln. Die Auftragseingänge aus Asien haben im ersten Halbjahr bereits mehr als ein Fünftel aller Auftragseingänge ausgemacht.

Alle vier Geschäftsbereiche mit Plus

Im ersten Halbjahr haben alle vier Geschäftsbereiche mit Umsatzsteigerungen zu dem teils deutlichen Wachstum der Gesamtgruppe beigetragen: Bei den Zellstoff- und Papiermaschinen - dem bei weitem größten Geschäftsbereich - konnte der Umsatz um knapp 24,7 Prozent auf 613,7 (492) Mill. Euro gesteigert werden, das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) legte um mehr als 50 Prozent auf 25,2 (16,7) Mill. Euro zu. Im Stahlbereich (Walz- und Bandbehandlungsanlagen) wuchs der Umsatz zwar nur geringfügig, das EBITDA konnte aber beinahe verdoppelt werden. Auch bei den Umwelt- und Prozesstechnologien legte das EBITDA um 72,7 bzw. 14,3 Prozent zu. Vergleichsgrundlage der aktuellen Zahlen ist der Konzernabschluss für das erste Halbjahr 2000, in dem auf pro forma-Basis Andritz-Ahlstrom zu 100 Prozent konsolidiert wurde.

Tatsächlich wurden die zweiten 50 Prozent der finnischen Tochter erst mit dem Erlös des Börsegangs im vergangenen Juni erworben. Andritz-Ahlstrom, wo zuletzt Kapazitäten gestrafft und Personal abgebaut werden musste, trug wesentlich zur Erhöhung der Profitabilität der gesamten Gruppe bei. Das EBITDA des Konzerns konnte in den ersten sechs Monaten 2001 um 13,1 Mill. Euro auf 41,1 Mill. Euro gesteigert werden. Knapp fünf Millionen der Ergebnisverbesserung stammten aus Finnland.

Trotz des Ausgabepreises, der um 7 Prozent niedriger ausgefallen war als geplant, zog Leitner ein positives Resümee des Andritz-Börseganges: Während die Aktie des Maschinenbauers heute knapp über dem Emissionskurs liege, befänden sich vergleichbare Börsenneulinge in Frankfurt heute durch die Bank unterhalb des Ausgabepreises. (APA)

Share if you care.