Erzbischof Milingo will nach Afrika zurückkehren

21. August 2001, 15:01
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Manager: "Er stand unter Drogen" - Ehefrau Sung Ryae Soon: Hungerstreik "bis zum Tod"

Rom - Der afrikanische Erzbischof Emmanuel Milingo hat sich offensichtlich von der Aufregung um die "Flucht" von der Moon-Sekte erholt. "Es geht ihm gut. Als wir ihn nach Rom brachten, war er aufgequollen, er schien unter Drogen, man konnte kaum verstehen, was er sagte. Jetzt hat er sein Lachen und seine Gelassenheit wiedergefunden", sagte Milingos Freund und "Manager" Maurizio Bisantis in einem Interview mit der Tageszeitung "La Stampa".

Nach einer Zeit des Gebets und der Ruhe wolle Milingo als Missionar nach Afrika zurückkehren, möglicherweise nach Sambia. "Dort erwarten sie mich und ich kann sie nicht enttäuschen. Ich will dort ein großes Zentrum für die Armen gründen", habe der Erzbischof ihm versichert. Unterdessen bezweifelt man laut Kathpress im Vatikan, dass Milingo, der sich an einem geheimen Ort aufhält, in den vergangenen Tagen mit irgendjemandem gesprochen haben kann.

Der Kunsthändler Bisantis hatte Milingo bei seiner Ankunft in Italien aus dem Tross der Moon-Sekte "entführt" und zusammen mit der Künstlerin Alba Vitalbi zum Papst nach Castel Gandolfo gebracht.

Hungerstreik "bis zum Tod"

Die koreanische Ehefrau von Milingo, Maria Sung Ryae Soon, will ihren Hungerstreik notfalls "bis zum Tode" fortsetzen. Es sei "sehr hart", aber sie sei entschlossen, bis zum Äußersten zu gehen, sagte sie am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Rom. Seit einer Woche betet die 43-Jährige täglich morgens auf dem Petersplatz. Dem Vatikan wirft Sung vor, ihren Mann gefangen zu halten. Sie sei überzeugt, dass er unter Drogen stehe. Über den Aufenthaltsort des 71-jährigen ehemaligen Erzbischofs von Lusaka (Sambia) verweigert der Vatikan jede Auskunft.

Milingo hatte die südkoreanische Ärztin Ende Mai bei einer Massentrauung der Moon-Sekte ("Vereinigungskirche") in New York geheiratet. Die "Vereinigungskirche" fordert eine öffentliche Stellungnahme von Erzbischof Milingo, der sich nach vatikanischer Darstellung in einem Brief an den Papst von seiner Frau und dem Sektengründer Moon Sun Myong losgesagt hat. "Wir respektieren seinen Willen, aber wir sind nicht davon überzeugt, dass dies sein Wille ist", sagte ein Moon-Sprecher. (APA)

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