Tirol: Gartenlaubkäfer mit Schimmelpilzen und Fadenwürmer bekämpfen

21. August 2001, 11:51
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Einsatz Biologischer Waffen gegen den Schädling

Kasern/Innsbruck - Durch Schimmelpilze und Fadenwürmer soll ein europaweit verbreiteter gefräßiger Pflanzenschädling, der Gartenlaubkäfer, bekämpft werden. Ein EU-Forschungsprojekt, das sich der biologischen Bekämpfung des Schädlings widmet, wurde vorgestellt. Das "BIPESCO-Projekt" wird vom Innsbrucker Institut für Mikrobiologie in Zusammenarbeit mit dem Versuchszentrum Laimburg in Auer durchgeführt.

NAch zwei bis fünf Wochen sollen Engerlinge absterben

Nach zwei bis fünf Wochen sollen die Engerlinge des oft fälschlicherweise als "Junikäfer" bezeichneten Gartenlaubkäfers absterben. Im Rahmen der Studie wurden verschiedene "biologische Pilzformulierungen" auf Basis des insektentötenden Pilzes "Metarhizium anisopliae" (Schimmelpilz) entwickelt. Die Wirksamkeit soll nun erstmals im Freilandversuch getestet werden, erklärte Projektleiter und Koordinator, der Mikrobiologe Hermann Strasser. Das Ergebnis des Versuchs soll in den nächsten Wochen verfolgt werden.

Das seit 1998 laufende "Pilz-Projekt" befinde sich nun in der Endphase, erklärte der Wissenschafter. Die Laboruntersuchungen seien abgeschlossen, jetzt gelte es in Richtung Produktreife zu gelangen. Das Problem, wie das "Pilzgranulat" erstmals auch in Steillagen in den Boden eingebracht werden könne, sei mit Hilfe einer neu entwickelten Maschine gelöst worden.

Erosionsgefahr durch Gartenlaubkäfer

Die so genannte Säschlitzmaschine, ein Prototyp einer Schweizer Firma, sei geländetauglich, so dass auch Steilhänge bearbeitet werden könnten. Der Zugang dorthin sei "besonders wichtig", da es hier bisher keine maschinelle Ausbringungsmöglichkeit für biologische Bekämpfungspräparate gegeben habe. Damit könnte auch künftig einer Erosionsgefahr, ausgelöst durch die Gartenlaubkäfer, vorgebeugt werden. Durch den Wurzelfraß würde nicht nur die Vegetation geschädigt, auch Hänge werden dabei lose, sagte der Mikrobiologe.

Bisher keine Bekämpfung gelungen

Es sei in der Vergangenheit nicht gelungen mit Hilfe mechanischer und chemischer Methoden der Engerlingplage Herr zu werden , sagte der Mikrobiologe. Durch den Schimmelpilz jedoch werde an der Oberfläche des Tieres ein stark verzweigtes "Luftmyzel" (Pilzgeflecht) gebildet. Dies würde auch den umliegenden "Infektionsort" im Boden besiedeln. Das Myzel dringe durch die Haut in den Körper des Schädlings ein. Durch das Ausscheiden verschiedener toxischer Stoffwechselprodukte werde das Absterben beschleunigt.

Fadenwurmmethode funktioniert nur bei gutem Klima

Als Vergleich zum Pilzpräparat wurde auf einem Versuchsgelände ein in Österreich seit Dezember 2000 registriertes Fadenwurm-Produkt eingesetzt. Studien dazu hätten bereits gezeigt , dass innerhalb von zehn Tagen mehr als die Hälfte der Käfer angegriffen worden seien. Die mit Wasser in den Boden "eingewaschenen" Fadenwürmer oder Nematoden würden oral von den Käfern aufgenommen und dann eine Bakterieninfektion auslösen. Diese Methode funktioniere aber nur unter "klimatisch günstigen Bedingungen", da die Fadenwürmer empfindlich gegenüber Trockenheit seien.

Großflächiger Schaden

Durch seinen einjährigen Entwicklungszyklus verursacht der erwachsene Käfer Fraßschäden bei Obstkulturen, Laubbaumbeständen, Rosen und anderen Blütensträuchern, erläuterte Strasser. Die heranwachsenden Engerlinge würden während ihrer drei Larvenstadien die Wurzeln von Gräsern, Kulturpflanzen und Baumbeständen fressen, so dass "großflächige Schäden" bei Wiesen- und Rasenflächen, Sportanlagen, Freizeitanlagen, Golfplätzen und Aufforstungsgebieten entstehen würden. Die Schadensgebiete befinden sich nicht nur in den Tallagen, sondern reichen hinauf bis in die höheren Regionen des Mittelgebirges. (APA)

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