FAZ: NATO kommt in Mazedonien in ein feindliches Umfeld

21. August 2001, 08:32
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Frankfurt/Main - "Die Mission 'Essential Harvest' der NATO in Mazedonien ist so sonderbar wie ihr Name: Da soll eine bedeutende oder wesentliche Ernte eingebracht werden, aber der eigens zu dem Zweck herbeigerufene Erntehelfer ist auf dem Feld gar nicht willkommen", schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) am Dienstag in einem Korrespondentenbericht. "In jedem Fall werden es die 3500 Soldaten mit einem doppelt unfreundlichen Umfeld zu tun". Der Antiamerikanismus der slawischen Mazedonier richte sich gegen die gesamte Allianz.

"Seit dem Wochenende halten aufgebrachte Mazedonier, unter ihnen solche, die von der UCK aus ihren Dörfern in den Kampfgebieten vertrieben worden waren, die Hauptverbindungsstraße zwischen dem Kosovo und Mazedonien besetzt. Auf einer der Barrikaden ist ein Transparent mit der Aufschrift zu sehen: 'NATO - Neue Albanische Terroristen-Organisation'. Die Blockade trifft die NATO empfindlich, denn die Soldaten der internationalen Friedenstruppe im Kosovo (KFOR) werden fast ausschließlich über diese Verkehrsverbindung aus Mazedonien mit Nachschub versorgt."

"Die Rebellen der UCK sind zwar froh, dass die NATO kommt, aber freilich nur deshalb, weil sie sich von der Präsenz der Soldaten eine Stabilisierung der seit Wochen gleichsam eingefrorenen Frontlinien erhoffen. Zudem werden sie entgegen der Zusicherung ihres politischen Sprechers Ali Ahmeti nicht alle Waffen abgeben, sondern für den 'Fall der Fälle' gerüstet bleiben. Ob dies für sie schon jener Zeitpunkt ist, an dem die mazedonischen Sicherheitskräfte in die derzeit von der UCK kontrollierten Gebiete einrücken, wissen vielleicht nur die Kämpfer und Kommandeure der UCK selbst."

"Dass die albanischen Extremisten auch vor bewaffneten Auseinandersetzungen mit der NATO nicht zurückschrecken, haben mehrere Zwischenfälle an der grünen Grenze zwischen dem Kosovo und Mazedonien gezeigt, als Soldaten der KFOR Nachschublieferungen für die UCK in Mazedonien verhindern wollten. Gegenwärtig gibt es noch keine genauen Vorstellungen darüber, ob die NATO noch im Land sein wird und was sie gegebenenfalls tun soll, wenn mazedonische Polizei und Armee die von der UCK besetzten Gebiete wieder unter Kontrolle zu bringen versuchen. (...) Das bisher bloß politische 'friendly fire' hat von mazedonischer Seite schon eingesetzt. Es könnte daraus ein 'freundliches Kreuzfeuer' werden. (APA)

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