Sommer im Transitbereich von Wien-Schwechat

21. August 2001, 10:56
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Rund 3.000 Menschen pro Jahr dürfen den Transit- bereich nicht verlassen

Wien - Rund 3.000 Menschen jährlich wird verwehrt, den Transitbereich des Flughafens Wien-Schwechat zu verlassen. Es sind Flüchtlinge und Asylanten, die entweder mit gefälschten oder gänzlich ohne Papiere versucht haben, in Österreich einzureisen.

Durchschnittlich drei Tagen

Durchschnittlich bleiben die meisten Betroffenen zwar "lediglich" bis zu drei Tagen im Transitbereich, bis die Überstellung ins Flüchtlingslager Traiskirchen erfolgt. Für diejenigen, für die das so genannte Flughafenverfahren eingeleitet wird, kann der ungewollte Aufenthalt allerdings bis zu 42 Tagen andauern. Laut Karin Knogl, der Leiterin des Sozialdienstes am Flughafen, sind davon monatlich zwischen zehn und 25 Personen betroffen.

In Spitzenzeiten bis zu 80 Personen

Laut Hans Mayer, Flughafensprecher des Vienna Airport, differiert die Zahl der Flüchtlinge von Tag zu Tag stark. So hielten sich vergangene Woche tageweise lediglich fünf Menschen im Transitbereich auf, für die Wien-Schwechat das vorläufige Ende ihrer Reise bedeutete. In Spitzenzeiten werden allerdings auch bis zu 80 Menschen gezählt, die auf Unterbringung angewiesen sind - und sich acht Kojen teilen müssen.

Kojen sind eine Neuerung

Diese Kojen sind eine Neuerung, die auf eine Initiative von vier Studierenden der Technischen Universität Wien zurückgeht, die die Schlafstätten selbst gebaut und Anfang Juli in Absprache mit dem Innenministerium aufgestellt haben. Dennoch ist Johannes Putzer, einer der Studenten, überzeugt, "dass unsere Arbeit nur der erste Schritt zu Verbesserung der Situation sein kann".

Keine Möglichkeit zum Duschen Diese erste Station, ein 100 Quadratmeter großer Raum, ist zwar mit zusätzlichen Notliegen ausgestattet, hält jedoch keine Möglichkeit zum Duschen bereit. Die Chance, diesem bis zur Entscheidung über Abschiebung oder Einreise zu entgehen, ist die freiwillige Übersiedelung, in den so genannten Sondertransit, der im österreichischen Recht nicht als Haft gilt, wie Michael Berger vom Sozialdienst in seinem Bericht "Schubhaft in Europa" schreibt.

Schubhaft - permanente Videoüberwachung

Dort steht den Flüchtlingen zwar Fernseher, Dusche und Stockbett zur Verfügung, allerdings müssen sie sich auch mit einem Container mit vergitterten Fenstern und permanenter Video-Überwachung einverstanden erklären. Im vergangenen Jahr machten 644 der insgesamt 3.000 Gestrandeten von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Aussicht - Moderne Unterbringungsstandards Innenminister Ernst Strasser (V) beantwortet am 4. Juli eine parlamentarische Anfrage zum neuen Projekt des Flughafens Schwechat, das unter anderem die Behandlung von nicht Einreiseberechtigten regeln soll. Darin stellt er eine Verkürzung der Dauer des "Flughafenverfahrens", die Schaffung von Rückzugsflächen im Transitbereich und einen Sondertransit, der an moderne Unterbringungsstandards angepasst ist, in Aussicht.

Betreuung

Betreut werden die Gestrandeten vom Sozialdienst am Flughafen, einer Unterorganisation der Caritas, der von der Hilfe im Asylverfahren, bei Übersetzungen bis hin zur Überbrückungshilfe mit Lebensmitteln tätig ist. Er ist auch in die Planung und Umsetzung des neuen Projektes eingebunden und möchte laut Knogl erreichen, "dass mittelfristig die Aufenthaltsbedingungen sowohl im Transitbereich als auch im Sondertransitbereich erheblich verbessert werden."

Als positives Vorbild könnte dabei ein Projekt des Flughafens Zürich dienen, das so genannte Inad-Center. Dieses Transithotel für die Inadmissibles, das seit Mitte vergangenen Jahres in Kraft ist, wird zur Hälfte von den Airlines bezahlt, die die Flüchtlinge transportiert haben. Den Rest begleicht der Flughafenbetreiber Unique.

Der Wiener Sozialdienst äußert allerdings seine Bedenken hinsichtlich des Versuchs, die Fluglinien in die Verantwortung mit einzubeziehen. Knogl: "Wir befürchten, dass durch solche Maßnahmen Flüchtlingen bereits der Zugang zum Asylverfahren unmöglich gemacht wird, indem sie von Flugunternehmen gar nicht mehr befördert werden." (APA)

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