Nervengift kann Migräne lindern

21. August 2001, 14:34
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Das Gift habe nicht nur entkrampfende, sondern auch schmerzlindernde Wirkungen

Stuttgart - Mit dem Nervengift Botulinum-Toxin lässt sich Medizinern zufolge auch Migräne erfolgreich bekämpfen. Das Gift habe nicht nur entkrampfende, sondern auch schmerzlindernde Wirkungen, berichtet die Zeitschrift "bild der wissenschaft" in ihrer am Dienstag erscheinenden Ausgabe. Das Toxin hemmt demnach unter anderem die Produktion der Substanz P (von englisch "pain"; deutsch "Schmerz"), die von bestimmten Nervenfasern abgegeben wird und schmerzhafte Entzündungen auslöst. Bei Migräne-Patienten entzündeten sich auf diese Weise die Blutgefäße in der Hirnhaut, schreibt das Magazin. Dies wiederum verursache dann den pochenden Schmerz.

Nach Angaben des Kieler Neurologen Prof. Hartmut Göbel erhalten die Patienten während der Behandlung bis zu 20 feine Injektionen mit Botulinum-Toxin in die Muskulatur von Gesicht, Nacken und Schultern. "Bei 70 bis 80 von 100 Patienten schlägt die Therapie an", sagte Göbel der Zeitschrift. Die Wirkung trete in der Regel zwei bis drei Wochen nach der Spritze ein und könne drei und mehr Monate anhalten. Ganz auf Schmerzmittel könnten Patienten aber auch in dieser Zeit nicht verzichten.

Das Nervengift Botulinum wird von einem gefährlichen Erreger von Lebensmittelvergiftungen produziert. Schon ein millionstel Gramm kann nach Angaben von "bild der wissenschaft" für den Menschen tödlich sein. Fein dosiert wird das Gift bereits seit 20 Jahren gegen chronische Muskelverkrampfungen eingesetzt, wenn sie etwa zum Schielen, zu spastischen Lähmungen oder Schluckbeschwerden führen. Auch aus kosmetischen Gründen lassen sich einige Patientinnen Botulinum-Toxin spritzen, um "Sorgenfalten" im Gesicht zu glätten. Bei solchen Behandlungen hatten Mediziner zufällig entdeckt, dass bei manchen Patientinnen auch deren chronische Kopfschmerzen verschwanden. (APA)

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