Konstant und doch veränderlich

21. August 2001, 13:57
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Die Lichtgeschwindigkeit könnte sich verringert haben

Sidney/Wien - Das Wesen einer Konstante ist ihre Unveränderlichkeit - so sollte man meinen. Das Gegenteil scheinen nun die Ergebnisse eines internationalen Teams von Astrophysikern zu besagen. Sie haben den Wert der so genannten Feinstrukturkonstante über zwölf Milliarden Jahre zurückverfolgt und tatsächlich eine Änderung von 0,01 Promille festgestellt. Diese Veränderung mag zwar minimal erscheinen, ihre Folgerungen wären aber beträchtlich. Denn die Feinstrukturkonstante steht in direktem Zusammenhang mit drei fundamentalen Naturkonstanten, darunter der Lichtgeschwindigkeit. Das Ergebnis hieße also, dass sich mindestens eine der Konstanten mit der Zeit verändert haben muss. Oder, wie es der Forschungsleiter, der Physiker John Webb von der Universität in Sidney, ausdrückt: "Es ist möglich, dass sich die Gesetze der Physik mit der Zeit ändern."

Fingerabdruck im All

Mithilfe eines Teleskops auf dem Vulkan Mauna Kea, Hawaii, haben die Forscher den Wert der Feinstrukturkonstante zu verschiedenen Zeitpunkten in der Geschichte unseres Universums gemessen. Dazu benutzten sie das Licht von Quasaren, extrem hell leuchtenden Objekten im All. Bestimmte Wellenlängen dieses Lichts werden von Metallatomen in Gaswolken absorbiert. Dadurch entstehen im Spektrum der Quasare schwarze Linien, eine Art Fingerabdruck, aus dem sich die Feinstrukturkonstante berechnet. Und eben dieser Fingerabdruck scheint sich mit der Zeit verschoben zu haben.

"Die Idee, dass sich die Lichtgeschwindigkeit ändert, gibt es in der Physik schon lange", erklärt Robert Beig, theoretischer Physiker der Uni Wien, dem STANDARD. "Jetzt könnte es aber erstmals einen experimentellen Nachweis dafür geben." Dieser würde die Stringtheorie untermauern, deren Ziel ein vereinheitlichtes Verständnis aller Naturkräfte ist. Angesichts der weit reichenden Folgen, die die Entdeckung für die Physik hätte, macht sich in Wissenschaftskreisen Skepsis breit. Eine zweite, unabhängige Messung wird notwendig sein, um alle möglichen Fehlerquellen auszuschließen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.8.2001)

von Kirsten Commenda; Quelle: Physical Review Letters, Vol. 87
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