Kundgebung gegen Gewalt in Genua vor Wiener Stephansdom

20. August 2001, 19:57
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Demonstranten fordern "Freiheit für politische Gefangene" - Heftige Kritik an der Regierung

Wien - "Freiheit für die politischen Gefangenen in Italien" forderten am Montagabend laut Polizeiangaben mehr als 400 Demonstranten am Wiener Stephansplatz. Sie verwiesen darauf, dass nach den Protesten beim G-8-Gipfel von Genua immer noch Kundgebungsteilnehmer in Haft sind. Nach einer Auftaktkundgebung vor dem Stephansdom zogen die Demonstranten in Richtung italienische Botschaft. Eine Kundgebung direkt vor dem Gebäude im dritten Wiener Gemeindebezirk wurde ihnen aber untersagt.

Die Grüne Kommunalpolitikerin Susanne Jerusalem betonte in ihrer Rede, es gehe um mehr, als nur um "Gewalt der Polizei". "Da gehören Regierungen dazu", meinte Jerusalem und spannte den Bogen von der "Ausschaltung" der Kontrolle von Justiz und Parlament im Rahmen des Militärbefugnis- und des Sicherheitspolizeigesetzes bis zum Fall Omofuma. Der nigerianische Flüchtling sei nach seinem Tod bei seiner Abschiebung "vom Opfer zum Täter stilisiert", die Polizei dagegen "vom Täter und Mörder zum Opfer gemacht worden".

Kritik an Politik und Medien

Im Zusammenhang mit den Protesten von Genua übte Jerusalem heftige Kritik an Politik und Medien. Schon im Vorfeld sei versucht worden, die Demonstranten zu kriminalisieren. Die Medien hätten nur darauf gewartet, wann die ersten Steine fliegen. Die verhafteten Mitglieder der VolxTheaterKarawane seien den italienischen Behörden von der Regierung "auf dem Silbertablett serviert worden", kritisierte Jerusalem.

Andere Redner kritisierten etwa den gewalttätigen Polizeieinsatz gegen das Medienzentrum der Globalisierungsgegnger in Genua und die "Ermordung" des Demonstranten Carlo Giuliani durch Polizisten (er war beim Versuch, einen Feuerlöscher in ein Polizeiauto zu schleudern, erschossen worden). (APA)

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