Globalisierungsgegner besetzten SPD-Zentrale

20. August 2001, 18:41
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Demonstranten ketteten sich an Stühle - Proteste in mehreren deutschen Metropolen

Berlin - Globalisierungsgegner haben am Montag in mehreren deutschen Städten gegen den Polizeieinsatz beim G8-Gipfel in Genua im Juli protestiert. In Berlin besetzen Demonstranten vorübergehend einen Besucherraum in der SPD-Parteizentrale. Ein SPD-Sprecher sagte, es habe sich um etwa zehn Personen gehandelt. Sie hätten sich an Stühle gekettet. Nach rund einer Stunde seien die Demonstranten aber einer Aufforderung der Polizei gefolgt und hätten das Willy-Brandt-Haus friedlich verlassen. Proteste von Globalisierungsgegnern gab es auch in München, Köln und Gelsenkirchen.

SPD-Sicherheitspolitik in der Kritik

Die Besetzer der SPD-Zentrale in Berlin wurden laut Polizei nach Aufnahme ihrer Personalien auf freien Fuß gesetzt. Ein SPD-Sprecher sagte, die Besetzer hätten sich als Besuchergruppe angemeldet und zunächst auch einen Teil des Besuchsprogramms mitgemacht. Dann hätten sie eine Resolution übergeben und sich geweigert, den Besucherraum zu verlassen. Die Besetzer erklärten, ihr Protest richte sich gegen die Sicherheitspolitik der SPD.

Sie wollten mit der Aktion auf das Schicksal der Menschen aufmerksam machen, die anlässlich der Proteste beim G8-Gipfel in Genua im Juli inhaftiert worden seien. Vor dem Willy-Brand-Haus wurden die Besetzer von etwa 20 weiteren Personen unterstützt.

Bei dem Gipfeltreffen in Genua war es zu gewalttätigen Ausschreitungen von Globalisierungsgegnern gekommen. Gleichzeitig wurde aber auch der Vorwurf laut, dass die italienische Polizei mit unangemessener Härte gegen die Demonstranten vorgegangen sei. Bei den Auseinandersetzungen wurde ein italienischer Globalisierungsgegner von der Polizei erschossen.

Proteste in München und Köln

In München demonstrierten rund 150 Globalisierungsgegner auf dem Marienplatz gegen die Inhaftierung von Teilnehmern des G8-Gipfels. "Ausreisefreiheit" und "Widerstand ist nötig" stand auf Plakaten, welche die Teilnehmer hochhielten. Zu der Kundgebung hatten verschiedene linke Gruppen und die PDS aufgerufen.

Nach Angaben eines Kölner Polizeisprechers wurde am Montag für knapp zwei Stunden ein Kölner SPD-Büro besetzt. Rund 30 bis 50 Demonstranten seien in das Büro des SPD-Bezirks Mittelrhein in der Innenstadt eingedrungen. Der Leiter des SPD-Büros sagte, die Demonstranten seien nach knapp zwei Stunden abgezogen, nachdem sie eine Pressekonferenz abgehalten hätten. Schäden seien nicht entstanden. Auch das Gelsenkirchener Büro der Grünen ist nach Polizeiangaben von Genua-Aktivisten besetzt worden. (APA/Reuters)

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