NATO-Einsatz: Gut gemeint - Von Gerhard Plott

20. August 2001, 19:03
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Gut gemeint ist meist das Gegenteil von gut, lautet eine alte Wahrheit, die sich die Nato wieder einmal zu bestätigen anschickt. In Mazedonien sollen, so ist es geplant, 3500 Mann die Waffen der albanischen Rebellenarmee U¸CK einsammeln. Weniger Waffen, weniger Kriegsgefahr, heißt das einleuchtende, gut gemeinte Motto.

In der Praxis scheint dieses Vorhaben nicht völlig durchdacht. Wollen die U¸CK-Rebellen ihre Waffen tatsächlich freiwillig abgeben, dann bräuchte es dazu keine 3500 Mann der Allianz vor Ort. OSZE-Vertreter oder sogar das Rote Kreuz könnten diese freiwillige Waffenabgabe genauso gut überwachen und protokollieren.

Weder, noch

Wollen die albanischen Freischärler aber - entgegen dem gerade unterzeichneten, aber noch nicht ratifizierten Friedensabkommen - ihre Waffen nicht oder nur teilweise abgeben, dann sind die paar Nato-Soldaten ebenfalls fehl am Platz: Sie könnten die Rebellen weder mit Gewalt entwaffnen, noch sonst irgendeine Art von Druck ausüben; sie könnten die U¸CK-Kämpfer höchstens höflich um ihre Kalaschnikows bitten. Abgesehen davon stellt sich die Frage, warum nicht die internationalen Truppen vor Ort diese Aufgabe übernehmen können, warum neue Soldaten herangekarrt werden müssen.

Allein die Erfahrungen, die die Allianz im Kosovo mit der Entwaffnung der Albaner gemacht hat, sollte bei der Nato die Alarmglocken läuten lassen. Wegen mangelnder Kooperation der Albaner wurden damals nur einige meist museumsreife Gewehre oder anderes antikes Kriegsgerät abgegeben (was jedoch die USA zufrieden zu stellen schien). Der Rest der einsatzfähigen Waffen verschwand in anonymen Depots im Kosovo und wurde für den Einsatz in Mazedonien wieder ausgegraben.

Für die Nato gilt das Prinzip Hoffnung: Es wird schon alles gut gehen. Es wäre aber das erste Mal, dass eine Rebellenarmee, die im permanenten Kampf steht, auf ihre Werkzeuge verzichtet. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 21.8.2001)

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