Riess-Passer will Streit in FPÖ Tirol beenden

20. August 2001, 19:20
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"Plattform" zur Parteitags-Vorbereitung eingesetzt

Innsbruck - Zur Abwechslung war am Montag nicht der Parteivorstand der Tiroler ÖVP, sondern jener der FPÖ mit einer Krisensitzung an der Reihe. Diese wurde von Parteichefin Susanne Riess-Passer einberufen und sollte den Dauerstreit in der Partei beenden. Vier von sieben FP-Landtagsabgeordneten, mit Klubobmann Johannes Lugger an der Spitze, hatten im Juli aus Protest gegen den seit Mai 2000 amtierenden Parteiobmann Christian Eberharter alle ihre Parteifunktionen "ruhend gestellt". Der schwelende Unmut hatte sich am uneingelösten Versprechen Eberharters entladen, für Tirols Freiheitliche eine inhaltliche Linie zu entwickeln.

Seither denkt Eberharter öffentlich darüber nach, die vier Abgeordneten wegen parteischädigenden Verhaltens aus der Partei auszuschließen. Er hat ohne Rücksprache mit den Parteigremien einen Parteitag für den November angekündigt, bei dem er sich in seiner Funktion bestätigen lassen möchte. Der Gerloser Bäckermeister sieht sich als Mann der Parteibasis, den die "Elite der Partei" als "unerwünscht" betrachte.

Zwischenzeitlich haben Lugger & Co mediale Auftritte zu zentralen landespolitischen Fragen (Stillstand der Landespolitik wegen der ÖVP-Krise) absolviert, ohne ihren Obmann von den Terminen zu informieren, geschweige denn inhaltliche Aussagen mit ihm abzustimmen.

Riess-Passer hat vor ihrem Aufstieg zur Vizekanzlerin ein halbes Jahr dem Landtagsklub der FPÖ-Tirol angehört. Ihr Ziel, die seit Jahren durch persönliche Querelen zerrütte Partei zu einen, konnte sie nicht erreichen. Die Sitzung des 23-köpfigen Parteivorstandes endete nach Redaktionsschluss.

"Plattform" zur Parteitags-Vorbereitung eingesetzt

Eine "Plattform", bestehend aus dem langjährigen FPÖ-Politikers Siegfried Dillersberger, Klubobmann Johannes Lugger und Parteichef Christian Eberharter soll einen Parteitag der Tiroler FPÖ für den Herbst vorbereiten. Darauf hat sich der nach den heftigen Auseinandersetzungen der vergangenen Wochen von Bundesparteichefin Susanne Riess-Passer einberufene Tiroler Parteivorstand Montag Nachmittag geeinigt. Riess-Passer zeigte sich "dankbar", dass die beiden Kontrahenten Lugger und Eberharter in dem Dreiergremium zusammenarbeiten. (hs/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. August 2001/APA)

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