Mit der Lederhose ins Internet

27. August 2001, 17:09
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Karmasin: Durchtauchen hilft nicht

Wien - "Was die Leute schreckt, ist nicht die Globalisierung, sondern die Beschleunigung der Zeit", stellt Matthias Karmasin, Kommunikationsprofessor an der Klagenfurter Universität, fest. Es handle sich um zwei verschiedene Kreise, die zwar eine gemeinsame Schnittfläche, aber sonst nichts miteinander zu tun hätten.

Dass Autofahrer in europäischen Großstädten zunehmend ausflippten, während Autofahrer in urbanen Zentren Amerikas cool bleiben, sei keine Frage der Globalisierung, sondern der Temporalisierung. Das Ringen um eine Art Weltethik ist ein globaler Prozess, losgelöst von der Zeit.

Was die Menschen am rascheren Tempo so schockiert, ist, dass Folklore (=Krachlederne) und Tradition (=Burgtheater) verloren gehen. "Das muss aber nicht sein, wenn man sich diesen Prozessen, die man ja nicht aufhalten kann, rechtzeitig stellt", argumentiert der Professor und verweist auf Bayern, wo sehr früh - und innovativ!- medienpolitische Weichen gestellt wurden. Frei nach dem Motto: "Mit der Lederhose ins Internet." (Edmund Stoiber, Bayerns Ministerpräsident)

Gewinner oder Verlierer

"Die österreichische Hoffnung ,Nur net hinschauen, das wird schon vergehen‘ zieht nicht mehr", ist der Medienexperte überzeugt. Die entscheidende Frage sei, ob man zu den Gewinnern oder Verlierern gehöre. Gewinnen wird, wem es gelingt, sich angemessen auf Neues einzustellen.

Um die Menschen dort abholen zu können, wo sie sind, startet DER STANDARD (Print und Online) in Kooperation mit den Unternehmensberatern Winfried Barowski ("visons4") und Klaus Werner (Gründer und Geschäftsführer der "Denkfabrik") die Serie "Selbstständiges Österreich".

"Einfach hineinhören, wie sich die neuen Trends in der Praxis auswirken", nennen Werner & Barowski als Motivation für die mit professioneller Hilfe von Claudia Wandl (Gallup-Institut) entwickelten Fragebogen-Items. DER STANDARD bietet sich dazu als Plattform für die Kommunikationslust seiner Leserinnen und Leser an. (Lydia Ninz)

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