Von Svihalek träumen

27. August 2001, 17:25
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Manche Leute träumen visionär. Martin Luther King etwa. Oder Propheten. Ich dagegen träume banal. Und doch erschreckend. Nicht oft. Aber ab und zu. Und erschreckend.

Es gibt zwei Sorten wieder kehrender Träume. Einen kenne ich schon auswendig. Den von der Matura. Der zweite ist neuer - aber nichtsdestotrotz erschreckend: Ich träume von Svihalek. Fritz. Umweltstadtrat a. D. Und seit die beiden Träume miteinander verschmelzen, meint A. , ich solle doch, bitte, professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Den Traum von der Matura, haben auch Andere. “Guten Tag, Akademisches Gymnasium Wien hier. Wir sind da bei Maturaarbeiten ihres Jahrgang hängen geblieben. Könnten Sie vorbeikommen?” Im Festsaal sitzen dann all die Gesichter von früher. Die Mathematikaufgaben werden vorgelegt. “Weil sie damals alle so gut abgeschnitten haben, wird das ein Kinderspiel sein.” Unter Juristen, Ärzten, Unternehmern und mir bricht Panik aus. Wie sind die draufgekommen? Nach so vielen Jahren? Was ist eine “Hyperbel”? Oder eine “Kurvendiskussion”?

Der Traum von Svihalek dagegen dürfte einzigartig sein. Ich fahre mit ihm Rad. Tandem. Und er sitzt hinten. Mehr passiert im Svihalek-Traum nicht. Das heißt nicht, dass er kurz ist. Oh nein. A. sagt, sie könne mir mittlerweile im Schlaf ansehen, wenn Svihalek wieder auf dem Fahrrad sitzt. Sie findet es komisch, dass griechische Mythenfiguren Steine auf Berge wälzen, während ich Exstadträte durch die Stadt führe. Das mit A.s spöttischem Lachen ist aber vorbei, seit die Träume fusionieren: Ich muss zur Matura radeln - und Svihalek sitzt auf dem Gepäckträger. Ich muss über Kurven diskutieren - und Svihalek will von mir abschreiben. Ich muss irgend etwas ableiten - und Svihalek schubst. Ich muss die Wahrscheinlichkeit eines Kometeneinschlages auf Alpha Centauri vorhersagen - und Svihalek sucht in meiner Tasche nach Zigaretten.

A. hat sich für Svihalek nie interessiert. Wiener Kommunalpolitiker fand sie nie spannend. Komisch schon gar nicht. Kürzlich habe ich A. dann ein Video vorgespielt. Eines, in dem Svihalek sich als Barsänger versucht. Der größte unter seinen vielen großen Auftritten. Seither hat A. nur noch einen Wunsch: Sie will Svihalek. Live. “Du sagst doch selbst, dass man seine Träume leben muss”, raunzt sie. Ich solle mir was einfallen lassen. Sonst könnte sie auf die Idee kommen, jemanden die Mathematikmaturaarbeiten einer bestimmten Klasse eines bestimmten Wiener Gymnasiums noch einmal unter die Lupe und ans Herz zu legen.

NACHLESE

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Die wöchentliche Kolumne von Thomas Rottenberg
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