Djukanovic: "Jugoslawien war einmal eine gute Idee"

20. August 2001, 16:42
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Präsident Montenegros zweifelt an Zukunft der Föderation - Opposition gegen Unabhängigkeits- Referendum

Podgorica - Der montenegrinische Präsident Milo Djukanovic hat Russland und die westlichen Staaten aufgerufen, den Erhalt des jugoslawischen Staates nicht weiter zu unterstützen. Hingegen sollten sie sich für die staatliche Unabhängigkeit Montenegros und Serbiens einsetzen und so neue staatlich-rechtliche Beziehungen zwischen diesen beiden Ländern herstellen, zitierte die montenegrinische Zeitung "Pobjeda" (Montag-Ausgabe) ein Interview von Djukanovic, das er dem russischen TV-Sender "Centar" gab.

Auf diese Weise würden Russland und der Westen wirkungsvoller zur Stabilisierung des Balkans und dessen Europäisierung beitragen, so Djukanovic. Der montengrinische Präsident erklärte zwar, dass Jugoslawien "ein Mal eine ausgezeichnete Idee war", aber dass "die jugoslawische Geschichte Ende der neunziger Jahre im vergangen Jahrhundert zu Ende erzählt" worden sei. Vom ersten Tage seines Bestehens hätte der Staat nicht funktioniert und nun bestehe Jugoslawien "nur als Provisorium". Deshalb müssten Rußland und der Westen die Situation in der Region realistisch betrachten und die Herstellung neuer Beziehungen zwischen Montenegro und Serbien unterstützen.

Montenegros verspäteter Weg in die Selbständigkeit

Auf die Frage, warum nicht auch Montenegro, wie andere ex-jugoslawische Republiken, Anfang der neunziger Jahre den Weg der Selbständigkeit eingeschlagen hätte, antwortete Djukanovic, dass es damals ein "Mehr am jugoslawischen Enthusiasmus" gegeben hätte, aber auch wegen der "realen Angst vor einem Krieg gegen Montenegro".

Nach seiner Einschätzung wäre es zu einem Krieg gekommen, hätte Montenegro versucht, unabhängig zu werden. Diesen Krieg hätte der ehemalige jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic vorbereitet und dieser Krieg wäre "sicher brutaler gewesen als alle Kriege, die er auf dem Territorium des ehemaligen Jugoslawien geführt hat", behauptete Djukanovic.

Bulatovic: Keine Voraussetzungen für Referendum

Die größte montenegrinische Oppositionspartei, Sozialistische Volkspartei (SNP), ist der Ansicht, dass in Montenegro keine demokratischen Voraussetzungen für die Abhaltung eines Unabhängigkeitsreferendums gegeben sind. Die montenegrinische Koalitionsregierung hatte sich nach der Parlamentswahl im April verpflichtet, die Volksabstimmung bis Februar nächsten Jahres zu veranstalten.

SNP-Chef Predrag Bulatovic erklärte am Montag nach seinem ersten Treffen mit dem montenegrinischen Präsidenten und Chef der Demokratenpartei der Sozialisten (DPS), Milo Djukanovic, seit vier Jahren, dass seine Partei an der Vorbereitung des Referendums nicht teilnehmen werde, würden ihre Forderungen nicht erfüllt werden. (APA)

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