Fiktive Identitäten und Stereotype

28. August 2001, 16:46
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dieStandard.at sprach mit Doris Weichselbaumer von der Universität Linz

dieStandard.at: Wie kamen Sie auf die Idee diese Untersuchung zu machen?

Weichselbaumer: In den letzten vier bis fünf Jahren gab es vor allem aus den USA aufschlussreiche Untersuchungen, die besagten, dass lesbische Frauen zum Teil mehr verdienen als heterosexuelle. Dies lässt sich dadurch erklären, dass homosexuelle Frauen weniger oft klassisch "weibliche" Geschlechterrollen annehmen. Auf der anderen Seite kommt es zu Fällen, in denen Frauen gerade aufgrund ihrer fehlenden "Weiblichkeitsattribute" diskriminiert werden.

dieStandard.at: Wie waren die Rahmenbedingungen ihrer Studie? Wie groß war ihr Team?

Weichselbaumer: Meine Assistentin und ich verschickten im Zeitraum zwischen 1998 und 2000 insgesamt 1226 Bewerbungen. Dabei gingen jeweils zwei Bewerbungen an eine Firma. Die Studie war in drei Durchgänge geteilt: Im ersten Durchgang verglichen wir die Chancen auf ein Bewerbungsgespräch zwischen einer "femininen" Heterosexuellen mit der einer maskulinen Heterosexuellen. Beim zweiten Mal waren es eine "feminine" Heterosexuelle und eine "maskuline" Lesbe. Beim letzten Durchgang stellten wir das Paar "maskuline" Heterosexuelle und feminine Lesbe gegenüber. Wir wählten Stelleninserate für BuchhalterInnen und SekretärInnen aus, da es in diesem Berufsfeld leichter fällt, standardisierte Bewerbungen zu verschicken. Außerdem gibt es in diesem Bereich die meisten Angebote.

dieStandard.at: Hatten Sie für die Konstruktion der Bewerberinnen-Identitäten irgendwelche realen Vorlagen? Warum haben Sie sich für solche Stereotype bezüglich der Geschlechteridentität entschieden?

Weichselbaumer: Die Identitäten der BewerberInnen war absolut fiktiv. Es ist richtig, dass die Identitäten gewissen Stereotypen entsprechen, insofern natürlich verstärkend wirken können. Auf der anderen Seite war es uns ein Anliegen, mit genau diesen Stereotypen zu arbeiten, auf dessen Grundlage Diskriminierungen im Berufsleben passieren.

dieStandard.at: Zu guter Letzt: Gab es abgesehen von Einladungen zu Bewerbungsgesprächen sonst noch Reaktionen seitens der Firmen?

Weichselbaumer: Ein Personalchef wollte mit unserer "femininen" Kandidatin ausgehen. Das musste dann natürlich verhindert werden.

dieStandard.at: Wir danken für das Gespräch!

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