General Partners: "Sanierer" sieht "massive Liquiditätsprobleme"

20. August 2001, 15:26
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Sanierungsvorstand Keber strebt Stillhalteabkommen mit Gläubigerbanken an

Wien - Bei der börsenotierten Wiener Immobilienfirma General Partners Immobilienbesitz AG (GPI), die zur General Partners Gruppe rund um den Anfang August wegen angeblicher Vermögensdelikte verhafteten Geschäftsmann Wolfgang Kössner gehört, scheint der Hut zu brennen. Gegenüber der APA sprach der Wiener Steuerberater Heimo Keber, den der Aufsichtsrat vor wenigen Tagen zum Sanierungsvorstand berufen hat, heute, Montag, von "massiven Liquiditätsproblemen". Wie Keber betonte, wolle er nun ein Stillhalteabkommen mit den Gläubigerbanken erreichen, "sonst bleibt nur noch der Weg in die Riemergasse (Anm. Handelsgericht Wien)".

"Die Zeit drängt", erklärte Keber, der nach eigenen Aussagen in keinem Naheverhältnis zu Wolfgang Kössner steht und bisher auch noch nie für die GPI tätig war. Innerhalb der nächsten zwei Wochen will der "Trouble-Shooter" den Ist-Zustand der angeschlagenen Gesellschaft analysiert haben und anschließend mit den Gläubigerbanken die nach Einschätzung Kerbers intakten Chancen für eine Sanierung bewerten.

Keine Überschuldung

Hauptgläubiger der GPI, die aus der früheren Residenz Realbesitz hervorgegangen ist, sind Keber zufolge Creditanstalt (CA), Immobank und Volksbank Kötschach-Mauthen. Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten beziffert Keber mit 10,2 Mill. Euro (140 Mill. S). Die Gesamtschulden würden derzeit 17 Mill. Euro betragen, davon würden jedoch 4,5 Mill. Euro auf der GPI verbundene Unternehmen entfallen.

Eine Überschuldung sieht Keber nach den ihm bisher vorliegenden Informationen nicht: Im vorläufigen Jahresabschluss für 2000 weise die GPI ein Immobilienvermögen von 13,6 Mill. Euro und Beteiligungen im Wert von 10,4 Mill. Euro aus. Das Reinvermögen betrage 8,8 Mill. Euro. Zum Kern des Immobilienportfolios zählten Schloss Freyenthurn in Klagenfurt und eine größere Büroimmobilie im steirischen Leoben.

Vorstand in Haft

Im Vorstand der GPI arbeitet Keber derzeit gemeinsam mit Josef Strasser als einzigem verbliebenem GPI-Vorstandsmitglied - nach der Verhaftung der GPI-Vorstände Wolfgang Kössner und Corinna Chwala sowie von GPI-Aufsichtsratschef Anton Kollmann, die derzeit alle in Untersuchungshaft sitzen - an der Weiterführung des Unternehmens.

Wie berichtet hatte die GPI vor Kurzem für das abgelaufene Jahr 2000 einen Bilanzverlust (mit Verlustvorträgen aus den Vorjahren) von 19,5 Mill. Euro (268 Mill. S) bekannt gegeben. Damit, so hieß es in einer Pressemitteilung, habe der Verlust das halbe Grundkapital, das insgesamt rund 396 Mill. S betrage, überschritten. (APA)

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