Gorbatschow verteidigt Perestroika

20. August 2001, 15:04
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Sowjetischer Ex-Staatschef räumt zehn Jahre nach dem Putsch in Moskau auch Fehler ein

Moskau - Der letzte sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow hat seine Reformpolitik der Perestroika verteidigt, gleichzeitig aber auch Fehler eingestanden. Zehn Jahre nach dem Putsch kommunistischer Hardliner, der das endgültige Aus der Sowjetunion eingeleitet hatte, sagte Gorbatschow am Montag, die Perestroika habe den Menschen politische und wirtschaftliche Freiheit gebracht. "Wir haben den Kalten Krieg beendet und eine Wende in der gesamten Weltgeschichte vollzogen", erklärte der 70-Jährige im staatlichen Radio Russland.

Geringes öffentliches Interesse

Das öffentliche Interesse am Jahrestag des Putsches hielt sich allerdings in Grenzen. Am Sonntag fanden sich nur wenige hundert Demonstranten zu Gedenkveranstaltungen in Moskau zusammen. Der russische Präsident Wladimir Putin äußerte sich überhaupt nicht zu dem Thema, auch sein Vorgänger und damaliger Anführer des Widerstandes gegen die Putschisten, Boris Jelzin, blieb still.

Gorbatschow, der damals unter Hausarrest gestellt wurde, gestand zwei entscheidende Fehler ein: Die Reform der Kommunistischen Partei habe er zu langsam angegangen, gleiches gelte für die staatlichen Strukturen.

Am 19. August 1991 hatten kommunistische Hardliner Gorbatschow in seinem Feriendomizil auf der Krim unter Hausarrest gestellt und für abgesetzt erklärt. Sie verhängten über mehrere Teile der Sowjetunion den Ausnahmezustand; ein achtköpfiges "Staatskomitee für den Ausnahmezustand" übernahm die Macht und ließ Panzer in Moskau auffahren. Massenproteste unter Jelzins Führung ließen den Staatsstreich nach drei Tagen scheitern. Doch Ende des Jahres trat Gorbatschow zurück, die Sowjetunion hörte auf zu existieren. (APA/AP)

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