El Subcomandante soll künftige ATTAC- Leitfigur werden

20. August 2001, 14:56
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Zapatistenchef hat Globalisierungsgegnern angeblich bereits zugesagt

Mexiko/Rom/Wien - Der charismatische Anführer der mexikanischen "Zapatistischen Nationalen Befreiungsarmee (EZLN)", der stets mit Schimütze vermummte "Subcomandante Marcos", könnte vor dem Wechsel auf eine weniger kriegerische, aber dafür internationale Ebene des Kampfes gegen die Reichen und Mächtigen stehen: Die italienische Tageszeitung "La Repubblica" (Montagausgabe) zitiert den Präsidenten der Anti-Globalisierungs-Organisation Attac, Bernard Cassen, der in einem Interview mit der mexikanischen Tageszeitung "El Milenio", davon berichtet, Marcos habe zugesagt, die Maske fallen zu lassen und künftig als Führer von Attac aufzutreten.

"Bald wird Marcos einer von uns sein"

Auf einer neuerlichen internationalen Gipfelkonferenz im brasilianischen Porto Alegre soll Marcos laut Cassen am 31. Jänner offiziell als neue Gallionsfigur von ATTAC präsentiert werden. "Bald wird Marcos einer von uns sein, ein Kämpfer für Attac und die Bewegung der Globalisierungsgegner", erklärt Cassen, der neben seiner Funktion bei der "Association for the Taxation of financial Transactions for the Aid of Citizens" - wo sich die Abkürzung Attac herleitet - vor allem als Mitorganisator und Direktor der französischen Zeitung "Le Monde Diplomatique", Bernard Cassen fungiert. Eine offizielle Einladung des Bürgermeisters von Porto Alegre sei bereits abgeschickt worden.

"Dann werde ich eben Gemüsebauer"

An der Regelung organisatorischer Probleme - Marcos braucht einen Pass - werde gearbeitet, schreibt "La Repubblica". Auch müsse der Zapatistenführer, der immer auch eine internationale Perspektive seines Kampfes gegen die Unterdückung eingeborener Völker im Auge gehabt habe, das noch seinen von dieser Idee wenig überzeugten Schützlingen vermitteln. Und letztlich ist trotz des Elans des neuen mexikanischen Präsidenten Vicente Fox ein friedlicher Abschluss des Kampfes der Zapatisten um die Gleichberechtigung noch nicht erreicht. All das sind aber laut Cassen keine unüberwindlichen Hindernisse: Er habe eine "präzise und überzeugte Zusage" von Marcos, künftig als Leitfigur von Attac zu fungieren, bekräftigt Cassen.

Marcos hatte bereits anlässlich der "Zapatour" im März dieses Jahres durchklingen lassen, dass er bald die Maske fallen lassen könnte. "Wenn unsere Bewegung aufhört, ein Heer zu sein und sich in eine politische Bewegung verwandelt, werde auch ich nicht gleich bleiben", sagte er damals in einem Interview mit der spanischen Tageszeitung "EL Pais". Wobei sich der Zapatistenführer selbst vorstellen konnte, künftig ein weit geruhsameres Leben als bisher zu führen. "Dann werde ich eben Gemüsebauer", verriet er "El Pais". (APA)

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