Mazedonien: NATO wartet weiter ab

20. August 2001, 16:48
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Oberbefehlshaber sondiert unmittelbar vor Operation "Essential Harvest" Lage in Mazedonien

Brüssel - Der Marschbefehl für den Mazedonien-Einsatz der NATO wird möglicherweise diesen Dienstag erteilt. Dann wollen die Botschafter der 19 Bündnisstaaten zusammentreffen, um auf der Grundlage eines Berichts des NATO-Oberbefehlshabers für Europa, Joseph W. Ralston, über die geplante Operation "Essential Harvest" (Bedeutende Ernte) zu beraten. Das wurde am Montag aus Kreisen des Verteidigungsbündnisses in Brüssel bekannt.

Ralston wird den NATO-Rat am Dienstag in Brüssel über die Lage in Mazedonien informieren. Seine Einschätzung ist mitentscheidend dafür, ob der NATO-Rat die volle Umsetzung der Mission zur Entwaffnung der albanischen Rebellen beschließt und 3.500 Soldaten in den Balkanstaat schickt. Der NATO-Rat besteht aus den Botschaftern der 19 Mitgliedsstaaten des Bündnisses.

Eine endgültige Entscheidung des Gremiums werde allerdings erst in einigen Tagen erwartet, hieß es in Brüssel. Die nächste reguläre Sitzung des NATO-Rats findet am Mittwoch statt.

Trajkovski kündigt Truppenrückzug an

Die mazedonische Armee soll nach einem Befehl von Präsident Boris Trajkovski mit einem Truppenrückzug zur Deeskalation vor einem geplanten NATO-Einsatz in dem Land beitragen. Das Verteidigungsministerium teilte am Montag in Skopje mit, in den Kampfgebieten gelte ab sofort eine Flugverbotszone, außerdem würden schwere Waffen aus dem Gebiet abgezogen. Mit dem Schritt soll dem NATO-Einsatz zur Entwaffnung albanischer Rebellen der Weg bereitet werden.

Ralston ist am Montag in Skopje eingetroffen. Bei einem mehrstündigen Besuch wollte er sich selbst ein Bild von dem Konflikt in Mazedonien machen. Von seinen Erkenntnissen hängt die Entscheidung des NATO-Rats über den geplanten Einsatz zur Entwaffnung der Albanerrebellen in dem Balkanstaat ab.

Vorhut eingetroffen

Am Wochenende war bereits eine mehr als 400 Mann starke Vorhut in dem Balkanstaat eingetroffen, um mit den Vorbereitungen für die Entwaffnungsmission zu beginnen. Voraussetzung für den NATO-Einsatz ist ein dauerhafter Waffenstillstand zwischen den Albanerrebellen der "Nationalen Befreiungsarmee" UCK und den mazedonischen Regierungstruppen.

Weitere Verlegungen

Noch vor einer Entscheidung über den Beginn des NATO-Einsatzes verstärken die NATO-Länder allerdings das Vorauskommando in Mazedonien weiter. Am Montag sollten acht weitere Flugzeuge Soldaten aus Großbritannien und Italien nach Skopje bringen, sagte NATO-Sprecher Major Barry Johnson am Montag in Skopje. Im Rahmen der geplanten Militäroperation sollen letztlich insgesamt 3.500 NATO-Soldaten innerhalb von 30 Tagen die Waffen der UCK-Rebellen einsammeln.

Das NATO-Vorauskommando prüft in Mazedonien auch die Einhaltung des Waffenstillstandes durch beide Seiten - eine Voraussetzung für den Beginn des Einsatzes. Unmittelbar vor dem Beginn der Sondierungsmission von Ralston ist die Waffenruhe aber erneut gebrochen worden. In der Nacht zum Montag gab es Schusswechsel zwischen albanischen Rebellen und Regierungstruppen bei Tetovo; ein Rebellenkommandeur sprach von einem intensiven Gefecht. NATO-Sprecher Peter Altmannsperger bezeichnete die Situation insgesamt als angespannt. Er sagte im ZDF-Morgenmagazin, niemand könne garantieren, dass die UCK-Rebellen tatsächlich alle Waffen abgeben würden. Die Entscheidung, ob die Waffenruhe als dauerhaft bezeichnet werden könne, falle auf politischer Ebene. (APA/dpa)

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