Gehrer: 40 Prozent der StudentInnen legen keine Prüfung ab

20. August 2001, 15:27
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70.000 Studierende weniger nach Einführung von Studiengebühren

Wien - Rund 40 Prozent der Studierenden an den Universitäten und etwa neun Prozent an den Universitäten der Künste haben jeweils in den Studienjahren 1998/99 und 1999/2000 keine Prüfungen abgelegt. Darauf verweist Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) in der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage von VP-Bildungssprecher Werner Amon. Darin erläutert die Ministerin auch die erwarteten Auswirkungen der Einführung der Studienbeiträge ab Herbst auf die Bildungsstatistik.

Bei den Zahlen der StudentInnen, die keine Prüfungen machten, seien jene, die ausschließlich Doktoratsstudien oder Erweiterungsstudien betrieben haben, außer Betracht geblieben. Gehrer betont, dass nicht alle, die im jeweiligen Studienjahr keine Prüfungen abgelegt haben, nicht studiert hätten. Manche von ihnen könnten sich auf größere Prüfungen vorbereitet, an einer wissenschaftlichen Arbeit gearbeitet oder einen Auslandsaufenthalt absolviert haben. "Überwiegend dürfte dieser Anteil von Studierenden jedoch keine messbare Studienaktivität entfaltet haben", heißt es in der Anfragebeantwortung.

Daten nicht vollständig

Diese Daten über die Prüfungstätigkeit wurden laut Gehrer von den Universitäten gemäß Universitäts-Studienevidenzverordnung bereitgestellt, wobei die Datenbestände nicht überall vollständig seien. In der Anfragebeantwortung nennt die Ministerin keine weiteren Details. Der APA liegt jedoch eine vollständige Übersicht der Prüfungstätigkeiten im Studienjahr 1999/2000 vor, die große Unterschiede zwischen den einzelnen Unis zeigt: Demnach machten an der Uni Wien 50,5 Prozent keine Prüfung (ohne Rechtswissenschaften, Informatik und Medizin), gefolgt von der Montanuni Leoben mit 39,6 Prozent und der Wirtschaftsuni Wien mit 37,6 Prozent. Die wenigsten Studenten ohne Prüfung hat die Veterinärmedizinische Universität Wien mit 18,5 Prozent.

Studiengebühren: 70.000 StudentInnen weniger

In der Anfragebeantwortung verweist Gehrer erneut auf die Studie über die Auswirkungen der Studienbeiträge auf die Studentenzahlen von Hans Pechar und Angela Wroblewski ("Weniger (Schein)Inskription - gleichbleibende Studienaktivität"): Während ohne Studienbeiträge gemäß Hochschulplanungsprognose im Wintersemester 2001/02 mit rund 236.000 StudentInnen an wissenschaftlichen Universitäten zu rechnen gewesen wäre, werde nach Einführung der Studiengebühren die Zahl der Hörer nach Schätzungen dieser Studie bei ca. 165.000 liegen.

Es sei damit zu rechnen, dass Studierende in einem gewissen Ausmaß weiterhin mehrfach Studien belegen, da die Studienbeiträge personenbezogen und nicht pro belegtem Studium eingehoben werden, erklärte Gehrer. Im vergangenen Studienjahr hatten von den insgesamt 228.000 ordentlichen in- und ausländischen Studierenden 179.000 ein Studium belegt, 40.000 zwei, 6.500 drei und 1.300 vier Studien. Manchen ist das noch immer nicht genug, denn die Statistik zählt 18 Studenten, die zehn Studien belegt haben, acht mit elf und drei mit zwölf Studien. Und zwei Hörer waren in 13 ordentlichen Studien inskribiert.

Staat zahlt mehr Geld für StudentInnen

Durch die Einführung der Gebühren wird es laut Gehrer auch zu einer Bereinigung der Studierendendaten und damit auch all jener Indikatoren und Benchmarks kommen in deren Berechnung die Gesamtzahl der Studierenden eingeht. So sei zu erwarten, dass sich das Betreuungsverhältnis an den wissenschaftlichen Unis zwischen Uni-Professoren und Studenten von derzeit 1:23,9 auf 1:16,2 verändern werde. Auch die staatlichen Ausgaben pro StudentIn würden sich von derzeit rund 110.000 Schilling pro Jahr auf rund 170.000 S erhöhen.

Steigen werde auch die Quote der Studienbehilfenbezieher. Derzeit erhalten rund 30.000 Studenten Studienbehilfe. Durch die Begleitmaßnahmen zur Einführung der Studiengebühren rechnet man im Bildungsministerium damit, dass rund 12.500 Personen mehr in das Beihilfensystem miteinbezogen würden. Damit sollte die Quote jener Studenten, die Studienförderung erhalten von derzeit 14 Prozent auf rund 25 Prozent steigen. (APA)

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