ORF kritisiert "Presse"-Umfrage zur ORF-Berichterstattung

20. August 2001, 13:24
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"Methodisch fragwürdig, tendenziös ausgelegt"

Scharf reagierte der Küniglberg auf den Blattaufmacher der "Presse" (Wochenendausgabe): "ORF-Zuschauer sehen SPÖ und Grüne bevorzugt behandelt" lautete der. Zudem: "SPÖ und Grüne kommen am besten weg". Kritik der so beschriebenen Anstalt: Die Antwort, die auf die Frage nach vermeintlichen Tendenzen in der ORF-Berichterstattung am häufigsten gegeben wurde - "Weiß nicht", 39 Prozent - schaffte es nicht in die Schlagzeilen.

"War sie vielleicht zu wenig skandalverdächtig? Oder musste die "Presse" erkennen, dass die Fragestellung ,Welche Partei kommt in der gegenwärtigen Berichterstattung durch den ORF am besten weg?' eigentlich einer Suggestivfrage gleichkommt?", fragt nun der ORF in einer Aussendung: Mehr als ein Drittel der Befragten wollte sich auf diese Art Frage jedenfalls nicht einlassen oder konnte keine Tendenz in der ORF-Berichterstattung entdecken. Schlussfolgerung der Küniglberger: "Dafür ist ein weiteres Mal die Tendenz der 'Presse' in der Berichterstattung zum ORF offensichtlich geworden: Wo die Fakten für einen Angriff oder eine Kritik am ORF nicht reichen, wird bis zur Schlagzeilentauglichkeit herumgedeutelt.

Die weitere Kritik: Der Umstand, dass die "Presse"-Umfrage nicht repräsentativ sei, werde "euphemistisch" mit den Worten umschrieben, dass die Umfrage bei regelmäßigen Internet-Nutzern durchgeführt wurde und "bei dieser Gruppe überdurchschnittlich gebildeter und fortschrittsfreundlicher Österreicher repräsentativ" sei. Dennoch werde mit der Schlagzeile "ORF-Zuschauer sehen SPÖ und Grüne bevorzugt behandelt" der Eindruck vermittelt, es handle sich um eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage, wiewohl die Befragung bestenfalls die Meinung der regelmäßigen Internetnutzer (ca. 40 Prozent der Bevölkerung) erhebt.

Der ORF: "Selbst unter der Annahme, dass es sich tatsächlich um eine repräsentative Umfrage handeln würde, halten die Daten nicht, was die reißerische Aufmachung verspricht. Die überwiegende Mehrheit der Befragten, nämlich 39 Prozent, kann keine Bevorzugung einer politischen Partei durch den ORF erkennen. Weit abgeschlagen folgen zwischen 19 und neun Prozent, die eine Präferenz des ORF für eine bestimmte Partei ausgemacht haben wollen." Die "Presse" leite allerdings aus der Tatsache, dass SPÖ und Grüne im Ranking "geringfügig" vor den Regierungsparteien liegen, die Bevorzugung ab: "Abgesehen von der statistischen Schwankungsbreite, denen derartige Umfragen zwangsläufig unterliegen, liegt es ebenfalls in der Natur der Fragestellung, dass Sympathisanten bestimmter Parteien die Vertreter anderer Parteien als bevorzugt empfinden", meint dazu die Anstalt. (red)

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