Viel Lob für Weltmeister Schumacher

20. August 2001, 14:08
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Lauda traut ihm noch zwei Titel zu; McLaren nimmt die Niederlage mit Humor; Wurz übt Kritik

Wien/Budapest - Die Welt verbeugt sich vor dem vierfachen Formel 1-Weltmeister Michael Schumacher, auch Österreichs dreifacher Champion Niki Lauda steht da nicht zurück. "Es war eine perfekte Leistung wie noch nie, Schumacher und Ferrari haben die Saison von Beginn an dominiert", lobte der Jaguar-Chef noch in Budapest, wo Schumacher am Sonntag vorzeitig seinen vierten Titel fixiert hatte. Der Deutsche steht nun auf einer Stufe mit Alain Prost, Lauda ist aber überzeugt, dass Schumacher auch die fünf Titel des Argentiniers Juan-Manuel Fangio egalisieren kann. "Ich sehe keinen Grund, warum Schumacher nicht fünf Mal Weltmeister werden soll," sagte Lauda im ORF-TV.

Das Geheimnis des Erfolgs sieht Lauda darin, "dass Ferrari in der Lage war, die besten Leute dorthin zu bringen und sie auch harmonisch zusammen zu führen. Das war die Garantie für eine so perfekte Leistung", so Lauda, der ja seinerzeit als Ferrari-Berater selbst an einigen wichtigen Personal-Transfers zu den Italienern beteiligt war. "Ferrari ist dadurch ein Team, in dem jeder den anderen ersetzt. Das ist eine Super-Basis und man muss davon ausgehen, dass das auch nächstes Jahr so weiter geht", sieht der Wiener ein anhaltendes Ferrari-Hoch.

Humor bei McLaren-Mercedes

Bei McLaren reagierte man mit erstaunlichem Humor und Selbstkritik auf die Niederlage. Der Stuttgarter Automobilkonzern erwies am Montag dem alten und neuen Weltmeister öffentlich seine Ehrerbietung: "Herzlichen Glückwunsch Michael Schumacher zum frühzeitigen Gewinn des 4. WM-Titels." In einer Werbeanzeige sitzt Schumacher im Safety-Car, dem einzigen "Silberpfeil", der in der Formel 1 niemals überholt werden kann. "Ein seltenes Bild: Rot fährt Silber", so die Schwaben, die sich selbst auf die Schippe nahmen: "Fahrstunde mit dem Weltmeister."

"Michael Schumacher und Ferrari haben einen besseren Job gemacht. Und wir haben einige Fehler gemacht", analysierte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. McLaren-Teamchef Ron Dennis stellte selbstkritisch fest: "Dieses Jahr können uns die Fahrer Vorwürfe machen, aber wir werden aus unseren Fehlern lernen." Welche das waren, sagte Dennis natürlich nicht.

Kritik von Wurz

Für deutlichere Worte sorgte Testfahrer Alexander Wurz. "Ferrari war vom Paket her besser und hatte im Gegensatz zu uns keine Software-Probleme." Also doch die Elektronik? Wurz im "Sport am Sonntag" (ORF): "Auch die Basis unseres Autos war nicht so gut wie die von Ferrari. Wir haben aber ein kompliziertes System und wenn es funktioniert, ist es toll. Aber wenn man vier Mal am Start stehen bleibt und das zwei Mal auf die Software zurück zu führen ist, dann hat uns das die WM gekostet." Statistische Bestätigung: In den bisher 13 Rennen mussten David Coulthard und Mika Häkkinen neun Ausfälle verkraften, die beiden Ferraris nur fünf.

Zukunft bei Wurz noch unklar

Das einst so erfolgsverwöhnte Team hat also viel Arbeit vor sich. Immerhin hat die Vorbereitung auf die neue Saison schon seit vier Monaten begonnen. Die Arbeit soll nun forciert werden, auch in der Fahrerdiskussion sollte bald Klarheit geschaffen werden. Häkkinen pokert noch und der an Sauber verliehene Mercedes-Junior Nick Heidfeld ist irritiert, weil angeblich Kimi Räikkönen bei den Silbernen erster Ersatz-Kandidat sein soll. Wurz hat schon klar gemacht, dass er sich auch ein weiteres Jahr als Testfahrer vorstellen kann. "Mehr als zwei Jahre möchte ich das aber nicht machen." In spätestens einem Monat werde man wissen, wie es bei ihm weiter gehe, versprach Wurz.

Für den britisch-schwäbische Rennstall, der auch im Kampf um die Marken-WM Ferrari vorzeitig unterlag, könnte es noch schlimmer kommen. Williams-BMW hat vor den letzten vier Rennen in Spa, Monza, Indianapolis und Suzuka nur 13 Punkte Rückstand. Der zweite Platz ist in Gefahr. "In den letzten fünf Jahren war es ein Fight zwischen McLaren-Mercedes und Ferrari. Jetzt ist ein drittens Team dabei", sagte Haug. (APA)

BIOGRAFIE:

Geboren am 3. Jänner 1969 in Hürth/Rheinland
Wohnsitz: Vufflens-le-Chateau/Schweiz
Erster Grand Prix: 25. August 1991, GP Belgien, Jordan-Ford
Erster GP-Sieg: 30. August 1992, GP Belgien, Benetton-Ford
GP-Starts: 157 Pole-Positionen: 41 Siege: 51 Grand-Prix-Punkte: 772

Familie: Verheiratet mit Corinna; Tochter Gina Maria; Sohn Mick

Erfolge: Viermaliger Weltmeister: 1994 (Benetton-Ford), 1995 (Benetton- Renault), 2000 (Ferrari), 2001 (Ferrari)

Erster deutscher Weltmeister mit Ferrari; Top-Verdiener der Branche mit geschätzten 633 Mill. S (46,0 Mill. Euro) Gesamt- Einkünften brutto im Jahr; Vertrag mit Ferrari bis 2004;
Ehrenbürger von Maranello

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