VolxTheaterKarawane erneuert Vorwürfe gegen Behörden

20. August 2001, 13:05
117 Postings

Kritik an Waldner und Strasser - Rechtliche Schritte werden geprüft

Wien - Mitglieder der VolxTheaterKarawane haben am Montag ihre Vorwürfe gegen österreichische und italienische Behörden erneuert: So soll sich der österreichische Konsul in Mailand, Manfred Moritsch, über Misshandlungsberichte "lächerlich gemacht" haben, hieß es bei einer Pressekonferenz in Wien. Kritik übte die Gruppe außerdem an Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (V), der sie Amtsmissbrauch vorwirft, und an Innenminister Ernst Strasser (V) wegen angeblicher Datenweitergabe. Der Anwalt der Schauspielergruppe prüft rechtliche Schritte.

"Wir sind gesichtslos"

"Wir haben anlässlich des G8-Treffens in Genua theatrale Aktionen durchgeführt, an Demonstrationen teilgenommen, Medienarbeit geleistet und Dokumentationen gemacht", betonten die Theaterleute, die sich bei dem Mediengespräch weiß geschminkt präsentierten. "Wir sind gesichtslos, weil allen passieren kann, was der VolxTheaterKarawane widerfahren ist", lautete die Erklärung. Mit den Ausschreitungen in Italien habe die Gruppe nichts zu tun gehabt, wurde betont.

"Systematische Tortur"

Die Haft beschrieben die Aktivisten als "systematische Tortur" und "Psychoterror", es habe "Misshandlungen und sexuelle Belästigungen" gegeben. In Österreich sei die Karawane "zu Statisten eines nationalen Sommertheaters geworden, in dessen Mittelpunkt eine grinsende Außenministerin und ein cooler Innenminister standen", so die Sprecher der Gruppe. "Und es endete mit einer demütigenden Deportation an die Grenze."

Italienischer Beamter: "Wir töten Leute wie euch"

Eine junge Frau aus Schweden, Teilnehmerin an der Karawane, berichtete von Schlägen und Drohungen in der Haft. "Eine einfache Frage, wie über den Grund, warum wir eigentlich festgehalten werden, führte zu einem blauen Auge", schilderte sie. Wenn Frauen auf die Toilette wollten, hätten sie sich nackt ausziehen müssen. Überhaupt seien die Polizisten brutal vorgegangen. Außerdem hätten ihnen Mitglieder der italienischen Exekutive "Sieg Heil" und "Viva Mussolini" entgegen geschrien. "Wir sind Nazis und wir töten Leute wie euch", habe ein Beamter gesagt.

Konsul habe sich "für Verletzungen nicht interessiert"

Besuch vom Konsul habe die Karawane erst nach fünf Tagen bekommen, lautete ein Vorwurf an Moritsch. Die Frauen seien von dem Vertreter Österreichs "verarscht" worden, so eine Aktivistin. "Er hat sich für Verletzungen nicht interessiert." Eine Angehörige des Konsulats habe zu den Inhaftierten gemeint, sie sollen froh sein, nicht in der Türkei eingesperrt zu sein. Dem Außenministerium wurde mangelnde Unterstützung angekreidet, das Innenressort habe Daten widerrechtlich weitergegeben. (APA)

Share if you care.