PKN/OMV-Deal könnte in Fusion münden

20. August 2001, 12:46
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PKN soll jedenfalls bis zu zehn Prozent an OMV halten

Wien - Der geplante Einstieg der OMV beim polnischen Ölkonzern PKN Orlen könnte Medienberichten zufolge weiter gehen als bisher bekannt. Die "Financial Times Deutschland" (FTD) schreibt in ihrer Ausgabe von Montag dass die beiden Unternehmen möglicherweise sogar fusionieren könnten. Die PKN soll jedenfalls einen Anteil von bis zu zehn Prozent an der OMV erhalten, berichten neben der FTD auch das österreichische Nachrichtenmagazin "profil" und polnische Medien.

Ein entsprechender Aktientausch könnte der erste Schritt zu einer Vollfusion von OMV und PKN sein. "Dies deuteten die Österreicher in einem Vortrag vor polnischen Regierungsbeamten und PKN-Managern am Freitag an", so die FTD. Die Aktien beider Unternehmen würden weiterhin in Warschau, Wien und London gehandelt, jedoch womöglich von einer Holdinggesellschaft in einem weiteren Land geführt werden. Die Synergieeffekte aus einer Fusion habe die OMV mit bis zu 1 Mrd. Euro beziffert. Das Gemeinschaftsunternehmen wäre die größte grenzüberschreitende Wirtschaftskooperation in Zentraleuropa.

Polen wollen Geld

Die polnische Regierung brauche Geld, die mit dem Verkauf des 17,6-Prozent-Aktienpaketes betraute Ministerin Aldona Kamela-Sowinska ziehe daher einen Cash-Deal einem reinen Aktientausch vor, so "profil". Das PKN-Paket würde nach derzeitigem Kurswert rund 4,5 Mrd. S (327 Mill. Euro) kosten. Der zweite polnische Wunsch sei eine Beteiligung der PKN an ihrem künftigen Partner, wobei den Polen ein Anteil von zehn Prozent vorschwebe.

Die Erreichung dieser zehn Prozent sei aber eine "diffizile Angelegenheit". Man habe sich auf folgende Formel geeinigt: Parallel mit der Übernahme des PKN-Aktienpakets durch die OMV würde die PKN der ÖIAG, die derzeit rund 35 Prozent des OMV-Aktienkapitals hält, einen Anteil von fünf Prozent abkaufen. Eine Aufstockung auf zehn Prozent sei aber schwierig, denn die PKN habe keine Kriegskasse für Milliardendeals. Zweitens stoße die ÖIAG an die Grenzen ihrer Rückzugsbereitschaft aus der OMV: Die OMV wolle das Kapital erhöhen, die ÖIAG könne und wolle nicht mitziehen, daher würde ihr Anteil an der OMV im Zuge von tranchenweisen Kapitalerhöhungen immer weiter zurückgehen. Intern sei die ÖIAG-Rückzugsgrenze klar definiert, der OMV-Anteil solle nicht unter die Sperrminorität sinken, so "profil". Von polnischer Seite gewünschte Anteilsaufstockungen bei der OMV müssten über den freien Markt laufen, falls die ÖIAG ihren Mindestanteil gefährdet sehe.

Gemeinsame Holding ins Auge gefasst

Um zur gewünschten echten strategischen Hochzeit zwischen dem österreichischen und dem polnischen Ölkonzern zu kommen sei - als Tochtergesellschaft von OMV und PKN - eine gemeinsame Holding ins Auge gefasst, heißt es im "profil" weiter. In diese Gesellschaft würden sowohl OMV als auch PKN ihre operativen Bereiche aus dem Energiegeschäft einbringen. Auf mittlere Sicht würde dann diese Gesellschaft an der Börse notieren.

Das Angebot des ungarischen Energiekonzerns MOL für die PKN, an dem die OMV mit zehn Prozent beteiligt ist, sehe zwei eigenständige Gesellschaften vor, berichtet das "Warsaw Business Journal" unter Berufung auf die polnische Tageszeitung "Rzeczpospolita". Die PKN solle einen gleich hohen Anteil an der MOL erhalten, wie jenen, den MOL an der PKN haben würde. Beim OMV-Offert sei eine 10-Prozent-Beteiligung der PKN an der OMV vorgesehen. Beide Angebote seien noch nicht komplett, Anpassungen sollten morgen, Dienstag, erfolgen. Es sei möglich, dass bereits in Kürze eine Partei für weitere Verhandlungen ausgewählt werde.

OMV:Kein Kommentar

Die OMV wollte am Montag diese Medienspekulationen nicht kommentieren. OMV-Chef Richard Schenz hatte in der Vorwoche bei der Halbjahrespressekonferenz erklärt, dass die OMV ein Offert für die 17,6 Prozent an der PKN gelegt habe. Ein endgültiger Zuschlag sei erst von der neuen Regierung zu erwarten, die nach den Wahlen am 23. September gebildet wird. Jedoch wolle das jetzige Warschauer Kabinett eine grundsätzliche Entscheidung noch davor treffen.

Eine allfällig angestrebte Mehrheit an PKN wäre für die OMV gar nicht mehr so leicht zu erlangen. Neben den 17,58 Prozent, die nun zum Verkauf stehen, verfügt der Staat direkt nur noch über weitere 10 Prozent. Der Rest gehört anderen, auch institutionellen Aktionären bzw. steht im Streubesitz, müsste also am Markt zugekauft werden. (APA)

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