Austria Tabak: Kurzes aber rentables Gastspiel

20. August 2001, 17:28
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Aktionäre besiegelten Verkauf an britische Gallaher

Wien - Am Montag wurde in einer außerordentlichen Hauptversammlung ein neues Kapitel in der 217-jährigen Geschichte der Austria Tabak (AT) aufgeschlagen: Mit der Zustimmung der Aktionäre zu einer Satzungsänderung, mit der die Begrenzung des Stimmrechts je Anteilseigner auf 25 Prozent aufgehoben wurde, wurde das letzte Hindernis für den endgültigen Verkauf des einstigen Tabakmonopols an den britischen Tabakkonzern Gallaher aus dem Weg geräumt.

Wie berichtet, hatte Gallaher für die Übernahme des Bundesanteils von 41,13 Prozent 85 Euro (1169,60 S) je Aktie geboten. Ein Angebot in derselben Höhe wird in nächster Zeit an alle übrigen Aktionäre gehen, für die sich das Vertrauen in die Gesellschaft gelohnt hat.

Erheblicher Wertzuwachs

Die Austria Tabak wurde zwar nur knappe vier Jahre als Publikumsgesellschaft geführt, hat in dieser kurzen Zeit ihren Aktionären neben einer jährlichen Dividende auch einen erheblichen Wertzuwachs beschert.

Im November 1997 wurden Aktien der bis dahin staatlichen AT für 505 S (36,70 €) an private Anleger verkauft. Wer damals einstieg, konnte, so AT-Vorstandsdirektor Heinz Schiendl, bis heute einen Kursgewinn von 132 Prozent lukrieren.

Schnelles Ende

Die außerordentliche Hauptversammlung des traditionsreichen Unternehmens im Austria Center in Wien-Kagran war angesichts der Ferienzeit gut besucht. Der scheidende Aufsichtsratspräsident Rudolf Streicher konnte 278 anwesende Aktionäre vermelden, die zusammen über zehn Millionen Aktien vertraten. Dass er gleich zu Beginn seiner Ausführungen die Eröffnung eines Buffets unmittelbar nach Sitzungsende ankündigte, scheint den Ablauf der Veranstaltung, die mit drei Tagesordnungspunkten (1. Satzungsänderung, 2. Abberufung von Aufsichtsratsmitgliedern, 3. Wahlen in den Aufsichtsrat) ohnehin nicht allzu üppig ausfiel, noch beschleunigt zu haben. Nach genau einer Stunde war die Hauptversammlung - ohne Wortmeldungen aus dem Publikum - denn auch beendet.

Punkt zwei entfiel übrigens, da neun der zehn Kapitalvertreter im Aufsichtsrat (neben Streicher waren dies ÖIAG-Chef Johannes Ditz, Heinz Grünwald, Kurt Haslinger, Karl Hollweger, Stephan Koren, Herbert P. Korn_feld, Erwin Macho und Engelbert Wenckheim) von sich aus den Rücktritt erklärt hatten. Nur der Vertreter der Kleinaktionäre, Paul Prebil, verbleibt weiter in diesem Gremium.

Ersetzt werden die bisherigen Aufsichtsräte durch ein schlagkräftiges achtköpfiges Gallaher-Team mit Präsident Peter M. Wilson und General_direktor Nigel Northridge an der Spitze. Als neunter Kapitalvertreter wechselt nach Ablauf seines Vorstandsvertrags Ende September Jörg Schram in das Kontrollgremium über. (Günter Baburek, DER STANDARD, Printausgabe 21.8.2001)

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