Japans Finanzminister Shiokawa schließt baldige Intervention aus

21. August 2001, 09:37
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Hoher Yen schädlich für Wirtschaft

Tokio - Japans Finanzminister Masajuro Shiokawa hat am Dienstag Erwartungen einer unmittelbar bevorstehenden Intervention am Devisenmarkt eine Absage erteilt. Gleichzeitig wies er aber auf das für die Exportwirtschaft Japans schädliche, hohe Niveau des Yen hin. "Der Markt trifft die Entscheidungen. Aber die Bewegung des Yen war in den vergangenen Tagen sehr schnell und ich denke nicht, dass sie die Fundamentaldaten in Japan und anderen Ländern widerspiegelt", sagte Shiokawa.

Mit Blick auf die jüngsten Kursverluste des Yen sagte der Minister zudem: "Wenn die Situation unnormal wird, dann denke ich, sollten wir uns mit anderen Ländern beraten." Er fügte hinzu: "Wir könnten intervenieren, wenn die Bedingungen unnormal werden." Als unnormal bezeichnete er eine hohe Volatilität.

Anstieg der japanischen Währung sorgt für Unruhe

Ein deutlicher Anstieg der japanischen Währung hatte in den vergangenen Tagen für Verluste am Tokioter Aktienmarkt gesorgt. Insbesondere die Papiere von exportorientierten Unternehmen aus den Branchen Automobilbau und Elektronik waren wegen der Sorge um wechselkursbedingte Gewinneinbußen unter Druck geraten.

Der japanische Vize-Finanzminister Haruhiko Kuroda deutete am Dienstag hingegen erneut an, notfalls am Markt einzugreifen. Die Aussagen Shiokawas schlössen eine Intervention nicht aus. "Das bedeutet nur, dass wir nicht jetzt intervenieren", sagte Kuroda in Tokio vor Journalisten. In den vergangenen Tagen hatte Kuroda den jüngsten Anstieg der japanischen Währung als "unangemessen" bezeichnet.

Dollar auf Zweieinhalb-Monatstief

In der vergangenen Woche war der Dollar zum Yen auf ein Zweieinhalb-Monatstief von knapp 119 Yen gefallen. Shiokawa begrüßte die geldpolitische Entscheidung der Bank von Japan (BoJ) der vergangenen Woche. Die BoJ hatte beschlossen, die monetären Zügel weiter zu lockern und die täglichen Guthaben der Geschäftsbanken zu erhöhen.

Der Minister sagte auch, er wolle nach zwei Jahren der Deflation wieder steigende Verbraucherpreise sehen. Die Möglichkeit eines geldpolitischen Inflationsziels bezeichnete Shiokawa als möglicherweise schädlich für die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft. (APA/Reuters)

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