Euro-Aussichten rosiger gesehen

20. August 2001, 17:46
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Aber nur wenige EZB-Watcher halten Annäherung an Parität mit Dollar für möglich

Frankfurt - Nach der jüngsten Kurserholung des Euro-Dollar-Wechselkurses schätzen Ökonomen die Aussichten für die Europäische Gemeinschaftswährung größtenteils positiver ein. Bei der monatlichen vwd-Bankenumfrage prognostizierte BHF-Bank-Chefvolkswirt Uwe Angenendt, der im Juli noch für die kommenden sechs Monate durchgängig mit einem Euro-Kurs von 0,85 US-Cent gerechnet hatte, nun auf Sicht von einem Monat einen Kurs von 0,93 Euro/Dollar und im Sechs-Monats-Horizont sogar von 0,98 Euro/Dollar.

Angenendt rechnet damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) innerhalb des kommenden Monats die Zinsen um 50 Basispunkte senkt. Auf Sicht von einem halben Jahr sieht er einen Zinssatz für die Zwei-Wochen-Refinanzierungsgeschäfte von 3,50 Prozent. Der BHF-Bank-Ökonom erwartet damit von allen Befragten die ausgeprägteste geldpolitische Lockerung.

0,77 Dollar für möglich gehalten

Bei der Prognose der Wechselkurs-Entwicklung fällt ABN Amro deutlich aus dem Rahmen. Die Bank erwartet für den Euro-Kurs auf Sicht von sechs Monaten einen Wert von 0,77 (0,75) Dollar. "Die Entwicklung des Euro-Dollar-Kurses mag auf den ersten Blick seltsam erscheinen, aber der Abwärtstrend (seit der Euro-Einführung) kann mit Basis-Faktoren erklärt werden", lautet die Einschätzung von ABN Amro. So sei der Dollar vor allem vom relativ höheren Potenzialwachstum in den USA unterstützt worden, was seinen Gleichwichts-Kurs zum Euro wahrscheinlich nach oben verschoben habe.

Die Einflüsse makroökonomischer Faktoren wie dem Zinsniveau oder von Leistungsbilanzgleichgewichten seien dabei in den Hintergrund gerückt. "Es kommt darauf an, ob die Anleger dem US-Leistungsbilanzdefizit oder dem Wachstumspotenzial größere Bedeutung zuschreiben", so ABN Amro weiter. Die starken Kapitalzuflüsse in die USA in den vergangenen zehn Jahren machten deutlich, dass die Investoren an der Zahlungsfähigkeit der USA keine Zweifel hegten. "Wir glauben, dass das Wachstumspotenzial der Vereinigten Staaten groß genug ist, um sicher zu stellen, dass das Land seinen Verpflichtungen gegenüber dem Ausland auf lange Sicht nachkommen kann", heißt es bei ABN Amro.

Parität zum Dollar nicht in Sicht

Claudia Henke, EZB-Watcherin bei der Dresdner Bank, rechnet damit, dass die nach der Sommerpause verfügbaren Daten die EZB zu einem Zinsschritt um 25 Basispunkte "womöglich unmittelbar am 30. August" bewegen. Danach dürfte die Notenbank vorerst Zinsruhe bewahren. Henke rechnet damit, dass der Euro im Verlauf des Jahres weiter an Wert gewinnt. "Die Parität zum US-Dollar dürfte er jedoch nicht erreichen", schränkt Henke ein. Stefan Schneider (Deutsche Bank Research) sagt für das laufende Jahr einen Rückgang der Zinsen in Euroland um insgesamt 50 Basispunkte voraus.

"Beide Säulen der EZB-Strategie werden in den kommenden Monaten vermehrt Spielraum für Zinssenkungen signalisieren", sagt Schneider. "Obwohl die Jahresrate des HVPI nicht vor dem nächsten Frühjahr unter die Zwei-Prozent-Marke fallen dürfte, sind die Preiserwartungen weiterhin moderat", fügt Schneider hinzu. (APA/vwd)

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