US-Notenbank senkt Leitzins um 25 Basispunkte

22. August 2001, 14:11
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"Tür für weitere Zinssenkung offen" - US-Börsen rutschen ins Minus

Washington - Die US-Notenbank Fed hat angesichts des Risikos einer sich weiter abschwächenden US-Konjunktur die Leitzinsen wie von Analysten erwartet zum siebten Mal in diesem Jahr gesenkt. Der entscheidende Zielsatz für Tagesgeld werde um 25 Basispunkte auf 3,5 Prozent reduziert, teilte die Fed am Dienstag nach der turnusmäßigen Sitzung des für die Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschuss (FOMC) mit. Als Grund für die Entscheidung nannte die Fed unter anderem zurückgehende Unternehmensgewinne und Investitionen. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird sich nach Einschätzung von Experten nicht von dem Schritt der Fed unter Druck setzen lassen. Der Euro reagierte nur kurzzeitig mit Kursverlusten auf die Zinssenkung, an den US-Aktien- und Bondmärkten gaben die Kurse nach.

In ihrer Begründung für den Zinsschritt auf das niedrigste Leitzinsniveau seit März 1994 wies die US-Notenbank auf die weiter rückläufigen Investitionen in den USA und das nachlassende Wirtschaftswachstum im Ausland hin. Die Inflation sei dagegen weiterhin unter Kontrolle, hieß es weiter.

"Tür für weitere Zinssenkungen offen"

Analysten hatten mit einer Leitzinssenkung in genau diesem Ausmaß gerechnet. Relativ einig sind sich die Experten aber darin, dass die Fed die Zinsen weiter senken könnte, sofern sie sich durch die weitere Entwicklung der Wirtschaft dazu veranlasst sieht. "Es gibt Raum für eine weitere Senkung, aber ich bin nicht sicher, ob sie es tun werden oder nicht", sagte Bob van Order, Chefvolkswirt bei Freddie MAC. Auch Thomas Carpenter, Chefvolkswirt bei ASB Capital Management sieht die Möglichkeit einer weiteren Zinssenkung. "Sie haben die Tür für eine weitere Senkung am zweiten Oktober weit offen gelassen", sagte der Volkswirt. Den eher symbolischen Diskontsatz nahm die Fed ebenfalls um 25 Basispunkte auf 3,0 Prozent zurück.

US-Börsen drehen ins Minus

An der New Yorker Wall Street drehten der Dow-Jones-Index und der technologielastige Nasdaq-Index nach Bekanntgabe der Entscheidung ins Minus. Die US-Anleihen gaben geringfügig nach. Der Euro verlor kurzzeitig um mehr als einen Viertel US-Cent, erholte sich aber wieder auf Kurse deutlich über 0,91 Dollar.

Fed-Chef Alan Greenspan hatte bereits Mitte Juli bei seinen Anhörungen vor beiden US-Parlamentskammern die Bereitschaft der US-Währungshüter zu Zinssenkungen signalisiert. "Es bestehen weiter Risiken, dass die Abschwächung stärker sein wird als ursprünglich erwartet, und dies könnte eine politische Antwort erfordern", hatte Greenspan mit Blick auf die konjunkturelle Lage der USA gesagt. Sein skeptischer Wirtschaftsausblick hatte an den Finanzmärkten die Erwartung einer siebten Zinssenkung verstärkt, ebenso wie der Fed-Konjunkturbericht (Beige Book) Anfang August. Darin hatte die Fed erstmals von einem Übergreifen der Schwäche der US-Industrie auf andere Wirtschaftssektoren berichtet.

"Keine Notwendigkeit für die EZB zu folgen"

Nach Einschätzung des deutschen "Wirtschaftsweisen" Horst Siebert besteht für die EZB keine Notwendigkeit, dem geldpolitischen Schritt der Fed zu folgen. "Das würde ich eigentlich nicht anraten", hatte Siebert, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), am Dienstag noch vor der Zinsentscheidung, aber in Erwartung der Senkung um 25 Basispunkte gesagt. Siebert verwies auf die um rund drei Quartale verzögerte Wirkung von Zinssenkungen auf die Konjunktur. Der EZB-Rat berät wieder am 30. August über die Geldpolitik in der Euro-Zone. (Reuters)

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