Palfinger in Vorbereitung auf rauere Konjunktur

20. August 2001, 12:56
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Ergebnis mit deutlichen Steigerungen - Auftragsbestand und wirtschaftliches Umfeld weisen aber nach unten

Wien - Der börsenotierte Kranhersteller Palfinger muss sich trotz weiter guter Kennzahlen mit einem zunehmend schlechter werdenden wirtschaftlichen Umfeld abfinden: In der Baubranche, dem Hauptabnehmer des Salzburger Unternehmens, reißen die schlechten Nachrichten nicht ab und auch die Neuzulassungen von Lkw, auf die der größte Teil der Palfinger-Kräne montiert wird, weisen nach unten. "Wir versuchen, heuer zum vierten Mal in Serie ein Rekordergebnis vorzulegen. Ob das gelingt, wird davon abhängen, ob wir uns in einer Konjunkturschwäche oder lediglich in einer Konjunkturdelle befinden", sagte Palfinger-Vorstandschef Klaus Schützdeller am Montag bei der Vorstellung des Halbjahresergebnisses. Die gegenwärtige Situation sei jedenfalls dadurch gekennzeichnet, dass "Stimmungen sehr stark über die Investitionsneigung entscheiden."

Zumindest auf den ersten Blick hat die Konjunktursituation im ersten Halbjahr noch keine Spuren im Geschäftsergebnis hinterlassen: Umsatz und Ergebniskennzahlen wuchsen im Gleichklang zwischen 10 und 15 Prozent, und die "Preissituation hat sich weniger verschlechtert als befürchtet", erklärte Schützdeller. Der Auftragsbestand per Ende Juni 2001 hat sich aber gegenüber dem Vorjahreshalbjahr deutlich von 63,5 Mill. Euro auf 43,6 Mill. Euro (599,9 Mill. S) verschlechtert.

Krantechnik als "Cashcow"

Die Krantechnik, die "cash cow" der Gruppe, mit der vier Fünftel des Betriebsergebnisses gemacht werden, legte beim Betriebsergebnis (EBIT) 58,7 Prozent zu - wegen der konzerninternen Umschichtung eines Geschäftsbereichs, aber auch wegen des Trends zu immer größeren und besser ausgestatteten Kränen. Im zweitwichtigsten Geschäftsbereich, den "hydraulischen Systemen", wo eine Reihe neuer Produkte entwickelt werden, ging der Ergebnisbeitrag um mehr als zwei Drittel auf 500.000 Euro EBIT zurück. Schützdeller begründete dies unter anderem mit Anlaufverlusten aus den Ladebordwänden; bei diesen sei die Durchdringung des Marktes aber auf "gutem Weg", der "Umsatz erfreulich". Das bisherige Sorgenkind Land- und Forstwirtschaft liefert mittlerweile wieder positive Ergebnisbeiträge.

Noch keinen Durchbruch auf dem Markt, aber planmäßigen Umsatz gebe es derzeit noch beim neu entwickelten Container-Wechselsystem "Mobiler" für die Verkehrsschnittstelle zwischen Straße und Schiene, sagte Schützdeller. Es sei aus seiner Sicht aber nur eine Frage der Zeit, bis der "Mobiler" in größerem Maßstab nachgefragt werde. Auch ein weiteres neues Produkt, für das soeben ein Prototyp entwickelt wird, der "High Tech-Carrier" berge ein großes Marktpotenzial. Es soll künftig beispielsweise die Entrostung bzw. Oberflächenbehandlung etwa von Schiffsrümpfen ermöglichen.

Große Erwartungen setzt man bei Palfinger auch auf den im Mai zu 92 Prozent erworbenen brasilianischen Hersteller von Knickarmkränen, Madal: Bis 2003 wird der dortige Markt um 50 Prozent wachsen, wird erwartet - vorausgesetzt, die Wirtschaftskrise in Argentinien greift nicht auf den brasilianischen Nachbarn über. Madal verfügt über 35 Händler in zehn südamerikanischen Ländern und soll zur "Marktplattform" für Lateinamerika werden. Die Neuerwerbung sollte sich im zweiten Halbjahr bereits positiv im Ergebnis bemerkbar machen, sagte Schützdeller. (APA)

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