Waffenruhe in Mazedonien erneut gebrochen

20. August 2001, 08:13
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Schießereien bei Tetovo

Skopje - Mit Schießereien zwischen Albaner-Rebellen und Regierungstruppen ist die Waffenruhe in Mazedonien am Sonntagabend erneut gebrochen worden. Die mazedonische Polizei teilte in Skopje mit, die Freischärler hätten Kontrollpunkte in den Dörfern Ratae und Zilce im Nordwesten des Landes mit Mörsergranaten und Schusswaffen angegriffen. Die Sicherheitskräfte hätten das Feuer in Selbstverteidigung erwidert.

Am späten Abend waren in dem Gebiet der nordwestlichen Stadt Tetovo die Schusswechsel zu hören. Der mazedonische Rundfunk berichtete zudem, bewaffnete Albaner hätten neben der Autobahn von Tetovo in die Stadt Gostivar Stellung bezogen. Sie richteten ihre Waffen drohend und provokativ auf vorbeifahrende Autos. Das Gebiet ist unter weitgehender Kontrolle der albanischen "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK).

Zuvor hatte es so ausgesehen, als würden sich beide Seiten erstmals seit Unterzeichnung des Friedensabkommens vor knapp einer Woche an den Waffenstillstand halten. Den ganzen Tag über wurden keine neuen Kämpfe gemeldet. UCK-Chef Ali Ahmeti bekräftigte am Sonntag die Bereitschaft seiner Rebellen, sich an die Vereinbarungen zu halten sowie die Waffen freiwillig an die NATO abzuliefern.

Die NATO kommt

Am Wochenende begann eine NATO-Vorhut mit der Vorbereitung eines möglichen Einsatzes zur Entwaffnung der Albanerrebellen. Der Oberbefehlshaber der NATO für Europa, US-General Joseph Ralston, reist am Montag nach Skopje, um die Lage in dem Krisen geschüttelten Land zu beurteilen. Sein Rat dürfte bei der Entscheidung der NATO-Botschafter über einen Einsatz eine wichtige Rolle spielen.

Diplomaten zufolge will die Allianz binnen zwei Tagen eine Entscheidung über die Mission "Essential Harvest" (Wesentliche Ernte) treffen. Voraussetzung dafür ist jedoch die Einhaltung des Waffenstillstands. Einer der für den künftigen NATO-Einsatz zuständigen Kommandeure, der britische Brigadegeneral Barney White-Spunner, drohte am Wochenende damit, die Mission werde gar nicht erst beginnen, solange es keine "ernsthafte Waffenruhe" gebe. (APA/dpa)

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