Belastende Stapo-Auskünfte

19. August 2001, 20:46
1 Posting

VolxTheater-Aktivisten im Interview: Standen auf "schwarzer Liste"

Wien - Nach ihrer Rückkehr aus italienischer U-Haft nach Österreich kündigen die 16 österreichischen Aktivisten der VolxTheaterKarawane nun gerichtliche Schritte gegen die italienische Polizei an. In einem Exklusivinterview kritisierten zwei Mitglieder der Karawane am Sonntag außerdem die aufklärungswürdige Rolle der heimischen Behörden.

Die VolxTheaterKarawane hält an den Misshandlungsvorwürfen gegen Carabinieri fest. Italienische Beamte haben am Wochenende behauptet, die Vorwürfe seien erlogen.

Selektion unklar

Der italienischen Polizei sei offenbar schon vor dem Genueser G-8-Gipfel vom heimischen Innenministerium eine "schwarze Liste" von potenziellen Randalierern übersandt worden, so die Aktivisten. Einige VolxTheater-Mitglieder seien auf dieser Liste gestanden. Aktivist G.: "Es war zwar bekannt, dass es solche Listen gibt, aber ich habe erst nach zweieinhalb Wochen im Häfn in Alessandria erfahren, dass ich da draufstehe. Es war nicht klar, ob bei der Haftprüfungsverhandlung danach selektiert wird."

Wie berichtet, erhielten die italienischen Behörden personenbezogene Daten aus dem polizeilichen Informationssystem Ekis, in dem auch Anzeigen und Vormerkungen ohne Beweise vermerkt sind, sowie einen staatspolizeilichen Lagebericht zur VolxTheaterKarawane. In Letzterem wurde den Aktivisten "Gewaltakzeptanz" attestiert. G. zum Standard.at: "Was soll das heißen? Hat die Polizei keine Gewaltakzeptanz?"

Die italienische Staatsanwaltschaft, die den Österreichern Mitgliedschaft zur radikal-autonomen Gruppierung "Black Block" vorwarf, wertete die Informationen aus Österreich jedenfalls als belastend. Beteuerungen der Beschuldigten, man agiere lediglich als "laienhafte Theatergruppe", halfen nichts. G.: "Die Staatsanwältin warf uns vor, ,Doktor Jekyll und Mister Hyde' zu spielen." (DER STANDARD, Printausgabe 20.8.2001)

Share if you care.