"Einarmige" unterm Hammer

19. August 2001, 19:18
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Beschlagnahmte Spielgeräte warten auf begeisterte Sammler

Wien - Das Jugendverbot-Pickerl ist aus dem Jahr 1985, der amtliche "Kuckuck" neben den Spinnweben kann auch nicht viel jünger sein. Auf dem Rot-Kreuz-Areal, hinter dem Messegelände im Prater, darbten die vergangenen anderthalb Jahrzehnte an die 80 Spielautomaten und Flipper vor sich hin. Die Magistratsabteilung 54 mit dem klingenden Namen "Zentraler Einkauf" hatte dort ein Lager für beschlagnahmte "einarmigen Banditen" angemietet. "Mein Onkel ist begeisterter Flipper-Sammler. Er war auf der Suche nach einem Depot ausrangierter Geräte", sagt Aurel Berger. Bald wurde er fündig, die MA54 schrieb den Verkauf der Geräte aus, und Aurels Onkel schlug zu.

Wie viel er für die kleingeldfressenden Glücks- oder Unglücksbringer bezahlen musste, verrät er nicht. Nicht einmal seinem Neffen. Fest steht: Jetzt gehören sie ihm. Alle 80.

"Die Flipper hat er sich gleich behalten", erzählt Aurel, "er hat ein großes Haus, und dort stehen schon sehr viele herum." Den einarmigen "Rest" überließ er seinem Neffen. Dieser veranstaltete am Samstag seine erste "Spielautomaten-Auktion". Rufpreis: 800 Schilling pro Stück. 50 Geräte standen bereit, etwa 20 davon funktionieren noch.

Der Glanz der 70er- und 80er

"Nicht einmal die Leute vom Roten Kreuz haben gewusst, was sich in dem Lager befindet", ist Aurel verwundert. Für die Auktion wurden die Automaten abgestaubt und ins Freie gerollt. Erst dort entfalteten manche der ausgedienten Geräte den Glanz der 70er- und 80er-Jahre.

Der Andrang an Interessenten hielt sich dennoch in Grenzen. Neun Leute kamen insgesamt, lediglich fünf Automaten verließen das Rot-Kreuz-Gelände. "Da dürfte bei der Werbung etwas schiefgelaufen sein", meint Aurel - ungerührt, denn: "Ich kann das ja machen, so oft ich will."

Er hat jedenfalls neue Preisrichtlinien festgelegt: Die nicht mehr intakten Geräte gehen jetzt bereits um 200 Schilling über den imaginären Ladentisch, bei den Gustostückerln spielt sich unter 1000 Schilling nicht viel ab. Tipp für schnell Entschlossene: Ein Erscheinen mit Kleinlaster wird empfohlen, die Spielautomaten haben selbst nach Entfernen der Staubschicht ein beeindruckendes Gewicht. (DER STANDARD, Print, 19.8.2001)

STANDARD-Mitarbeiter Andreas Tröscher
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