Kammer speckt weiter ab

19. August 2001, 18:48
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Weitere 80 bis 100 Mitarbeiter sollen freiwillig gehen - Das Wie ist noch strittig

Wien - "Als Betriebsrat ist es nicht leicht, Modelle anzudenken, die zur Arbeitslosigkeit führen. Aber es ist gescheiter, die Leute über 53 melden sich freiwillig, als sie mit 57 in den obligatorischen Vorruhestand zu schicken." Werner Hackl, Betriebsratsobmann in der Wirtschaftskammer Österreich, bestätigte Sonntagvormittag im Gespräch mit dem STANDARD, dass die Kammer an einer Aktion bastle, um weitere 80 bis 100 Mitarbeiter freiwillig loszuwerden. Einen Beschluss gebe es aber noch nicht.

Der Plan laut Format: Über 53-Jährige sollen sich freiwillig melden. Sie brauchen für die Kammer zwar nicht mehr arbeiten und scheiden aus, bekommen aber bis zur Frühpension (Frauen ab 56,5, Männer ab 61,5 Jahren) die Hälfte ihres Kammergehaltes (brutto) weiter ausbezahlt, egal ob sie nichts tun oder einen anderen Job annehmen. Daneben, so Hackl, könnten sie auch Arbeitslosengeld beziehen, denn die Zahlung der Kammer gilt als freiwilliger Zuschuss.

Brüskes Njet

Sonntagnachmittag kam dann ein brüskes Njet vom Präsidenten der Wirtschaftskammer, Christoph Leitl. Es könne sein, dass kammerintern solche Pläne gewälzt würden, sagte er zum STANDARD. Dieses Modell sei aber nicht seines, zu wenig kreativ und werde vom Präsidium sicher nicht beschlossen. Es komme nicht infrage, dass die Kammer auf Kosten der Allgemeinheit einspare.

Leitl bestätigte, dass die Kammer bis Ende 2003 noch weitere 80 bis 100 Mitarbeiter abbauen müsse, nachdem die schon paktierten Pensions-und Frühpensionierungswelle erst 200 Mitarbeiter wegbringen wird und weitere 100 bis 120 Menschen im Zuge der natürlichen Fluktuation von selber gehen würden. Insgesamt muss die Kammer um 400 Mitarbeiter abspecken. Leitl, selbst über 50, möchte auch nichts von obligatorischen Vorruhestandsmodellen hören. Sein Ausweg ist ein anderer: Erstens möchte er junge Kammermitarbeiter dazu motivieren, sich in die Dienste der EU oder internationaler Behörden zu begeben und nach einigen Jahren wieder bei der Kammer anzuheuern. Weiters sollten sich Mitarbeiter auf Export- und Gründungsberatung spezialisieren und von der Kammer ausgelagert werden. (lyn, DER STANDARD, Printausgabe 20.8.2001)

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