Fonds sind immer noch nicht gleichgestellt

20. August 2001, 08:31
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Es macht aber einen gewaltigen Unterschied, ob der Fonds im Inland oder Ausland gemanagt ist

Wien - Die Diskussion ist so alt wie die Existenz der beiden Anlageformen. Mit der Einführung der Sicherungssteuer ist sie aber wieder aufgeflammt. Mit dem Resultat: Die "Ausländer" fühlen sich schlechter behandelt als je zuvor. Die "Inländer" pochen auf ihr Recht und hoffen auf Zugewinn an Marktanteilen.

Die Anleger müssen sich beim Kauf eines Fonds klar sein, was der Steuereintreiber von ihnen verlangt. Und das ist je nach in- oder ausländischem Fonds unterschiedlich.

  • Inländische Fonds werden an der Quelle besteuert. Was heißt: Kursgewinne, Zinsgewinne und inländische Dividenden werden mit der so genannten Kapitalertragssteuer (Kest) abgegolten. Die macht 25 Prozent aus. Es fällt keine Erbschaftssteuer an.

  • Ausländische Fonds dagegen sind einkommenssteuerpflichtig. Der Anleger muss den Besitz beim Finanzamt melden. Ansonsten fällt die Sicherungssteuer in Höhe von 2,5 Prozent des Fondswertes an.

Viele Banken versuchen nun, ihren Kunden ein Investment in ausländische Fonds trotzdem schmackhaft zu machen, indem sie Dachfonds auflegen, die zwar im Inland registriert, aber unter ihrem Dach in ausländische Fonds investieren können.

Klage

Die Vereinigung ausländischer Investmentgesellschaften in Österreich (VAIÖ) wettert nicht erst seit Einführung der Sicherungssteuer gegen die Benachteiligung ausländischer Fonds und hat bereits vor zwei Jahren eine Klage beim EuGH eingebracht. "Während bei inländischen Fonds 25 Prozent Kest anfallen, kann das bei ausländischen doppelt so viel sein", rechnet Georg Klein, Chef der VAIÖ, vor. Daher verlangt er auch für ausländische Fonds eine Endbesteuerung. Sein Kollege von der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG), Wolfgang Dorten, hält dagegen: "Effektive Gleichbehandlung ist erst mit einer EU-weiten Zinsbesteuerung möglich."

Sabine Kirchmayr von der Steuerberatungsgesellschaft Ernst & Young ist von der Ungleichbehandlung überzeugt. Sie hat deshalb Ende des Vorjahres für einen Kunden eine Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) einbringen lassen. "Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass das Gesetz geändert werden muss, da der Verfassungsgerichtshof im Einleitungsbeschluss zum Gesetzesprüfungsverfahren selbst schon verfassungsrechtliche Bedenken ausgesprochen hat", zeigt sich die Juristin zuversichtlich. Wird das Gesetz geändert, würde das bedeuten: Ausländische Fonds würden de facto inländischen gleichgestellt, also würden ausländische Fonds endbesteuert.(Esther Mitterstieler, DER STANDARD, Printausgabe 20.8.2001)

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