Salzburger Exil-Festspiele

19. August 2001, 19:17
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Mortiers Programm für die Ruhr-Triennale

Salzburg - Die Festspiele laufen zwar noch. Aber das hinderte den scheidenden Intendanten nicht, sein Programm für die erste Ruhr-Triennale vorzustellen, die von 2002 bis 2004 in Nordrhein-Westfalen stattfinden soll. Doch nicht nur der Zeitpunkt der Pressekonferenz stieß in Salzburg auf Unmut: Zum Leidwesen der neuen Intendanz übernimmt Gerard Mortier Salzburger Produktionen - und plant einen neuen Zyklus von Mozarts Da-Ponte-Opern.

Den Anfang macht 2002 Don Giovanni in einer Inszenierung Klaus Michael Grübers (was einen direkten Vergleich mit der von den Festspielen für 2002 geplanten Kusej/Harnoncourt-Produktion ermöglichen wird), 2003 folgt eine Neuinszenierung von Così fan tutte, im Jahr darauf wird Marthalers Figaro aus Salzburg übernommen.

Die Salzburger Saint Fran¸cois d'Assise-Inszenierung von Peter Sellars wird adaptiert, 2004 folgen Bernd Alois Zimmermanns Soldaten. Der flämische Theatermacher Alain Platel, der im Vorjahr mit Jedermann ist ein Indianer in Salzburg gastierte, arbeitet seit einem halben Jahr an einem Mozart-Projekt nach Art der Schlachten!, der Holländer Johan Simons (er ist heuer mit Der Fall der Götter in Salzburg) beschäftigt sich in einem Theater-Labor mit der Ritualisierung von Gefühlen. Weiters kündigte Mortier Matthias Pintschers Oper Heliogabal (die Uraufführung war für heuer vorgesehen) und die Übernahme von Beat Furrers Aria (Uraufführung beim steirischen herbst 2001) an.

Die Triennale soll jedes Jahr einen Theater-Schwerpunkt im Frühjahr und einen Musik-Schwerpunkt im Herbst haben. Das Land Nordrhein-Westfalen beabsichtigt, 570 Mio. Schilling zur Verfügung zu stellen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. 8. 2001)

Von
Thomas Trenkler

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