Nach Gugl-Kür wartet die Pflicht auf Steffi Graf

21. August 2001, 22:06
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"Mutola schlagen, für den Geist und für das Geschäft"

Linz - Wie jeder andere Sieger auch, mit zwei Flaschen Wein und einem Strauß Blumen, stand Stephanie Graf am Ende des Gugl-Meetings auf dem Podest im Linzer Stadion, gefreut hat sie sich mehr als die anderen. Wegen des "unglaublichen Gefühls", von "unglaublichen Fans ins Ziel getragen" worden zu sein. Tatsächlich waren 14.000 Zuseher von dem 800-m-Schaulaufen angetan, so gesehen hat das Meeting seinen Zweck erfüllt. Grafs Manager Robert Wagner sagte: "Man hat gesehen, dass eine Graf genügt. Aber sie haben es mir ja nicht geglaubt, dass sie allein das Stadion füllt, so wie das der Muster im Tennis getan hat."

Mutola hätte nicht die Welt gekostet

Wagner hätte es gern gesehen, wäre Graf keine Exhibition, sondern gegen Maria Mutola gelaufen, ihre Dauerrivalin und -bezwingerin. Die schnelle Frau aus Mosambik hätte nicht die Welt gekostet, sondern 25.000 US-Dollar, die Veranstalter hätten in ihrem Budget (6,5 Millionen Schilling) umschichten, vielleicht auf einen von zwei namhaften Hürdensprintern verzichten müssen. Wagner: "Ich hab' vorher gesagt, sie können von mir aus Gott und die Welt verpflichten. Ein Sieg über Mutola in Linz hätte riesigen Wert gehabt, mehr Wert als ein Sieg in Zürich, wo's fünfzehn solcher Duelle gibt."

Graf "muss" Mutola bald einmal schlagen

Indes muss Linz bangen, seinen Grand-Prix-Status zu verlieren, der Weltverband (IAAF) hat neue Pläne, in denen kommen jedenfalls weniger GP-Meetings vor als jetzt. Auch für Graf ergibt sich der Druck von allein, Wagner übt ihn nicht aus. Sie müsse Mu-tola "bald einmal schlagen, das ist unbedingt notwendig, für ihren Geist und fürs Geschäft. Es gibt nichts Blöderes als Seriensiegerinnen. Graf darf sich jetzt ja nicht mit der Nummer-zwei-Rolle zufrieden geben."

Wagner hat 47 Leichtathleten unter Vertrag, ist weltweit die Nummer zwei unter den Managern, die IAAF bewertet Erfolg, Seriosität und Professionalität. Nummer eins ist der Niederländer Jos Hermens, er und Wagner und vielleicht ein Dutzend andere können von dem Job leben. An den Erfolgen ihrer Sportler sind Manager mit 15 Prozent beteiligt, das ist Vorschrift.

Auf nach Brüssel

Die nächste Chance, Mutola zu bezwingen, hat Graf am Freitag in Brüssel, Termin und Ort wären nicht übel, bei einem Sieg wäre Grafs Chance, am Golden-League-Jackpot teilzuhaben, riesengroß. Der Gold-Jackpot wiegt 50 Kilo, Grafs Teil wäre mehr als eine Million Schilling wert, Siege in Brüssel und Berlin (31. August) sind notwendig. (DER STANDARD-Printausgabe, Mittwoch, 22.8.2001, fri)

RESULTATE MÄNNER

  • 100 m: 1. Aziz Zakari (GHA) 10,04 Sek. 2. Kim Collins (SKN) 10,10 3. Christopher Williams (JAM) 10,11

  • 110 m Hürden: 1. Anier Garcia (CUB) 13,17 Sek. 2. Allen Johnson (USA) 13,20 3. Dominique Arnold (USA) 13,29 4. Elmar Lichtenegger (AUT) 13,56

  • 200 m: 1. Shawn Crawford (USA) 20,46 Sek. 2. Kevin Little (USA) 20,57 3. Jake Jenson (USA) 20,79 weiter: 7. Roland Kwitt (AUT) 21,28 8. Hans-Peter Welz (AUT) 21,39

  • 400 m Hürden: 1. Pavel Januszewski (POL) 48,87 Sek. 2. Jiri Muzik (CZE) 48,89 3. Boris Gorban (RUS) 49,02

  • Meile: 1. Isaac Songok (KEN) 3:54,56 Min. (Meeting-Rekord) 2. Brian Berryhill (USA) 3:54,87 3. Paul Mwangi (KEN) 3:55,08

  • Weitsprung: 1. Savanthe Stringfellow (USA) 8,07 m 2. Kareem Street-Thompson (USA) 7,96 3. Sinisa Ergotic (CRO) 7,90 weiter: 6. Daniel Hagspiel (AUT) 7,60

  • Speerwurf: 1. Boris Henry (GER) 82,43 m 2. Wladimir Owschinnikow (RUS) 78,72 3. Alexander Iwanow (RUS) 78,29 4. Gregor Högler (AUT) 77,06, 8. Klaus Ambrosch (AUT) 64,60

    FRAUEN

  • 100 m: 1. Chryste Gaines (USA) 11,19 Sek. 2. LaTasha Jenkins (USA) 11,42 3. Alenka Bikar (SLO) 11,53. Aufgabe: Karin Mayr (AUT)

  • 200 m: 1. Debbie Ferguson (BAH) 22,72 Sek. 2. LaTasha Jenkins (USA) 22,79 3. Beverly McDonald (JAM) 22,94

  • 400 m Hürden: 1. Nezha Bidouane (MAR) 55,48 Sek. 2. Daimy Figueroa Pernia (CUB) 56,06 3. Brenda Taylor (USA) 57,20 Weiter: 7. Sabine Gasselseder (AUT) 61,06

  • 800 m: 1. Stephanie Graf (AUT) 1:58,86 Min. 2. Zulia Calatayud (CUB) 2:00,48 3. Anita Brägger (SUI) 2:01,91 4. Brigita Langerholc (SLO) 2:02,17

  • 3.000 m: 1. Ebru Kavaklioglu (TUR) 8:52,20 Min. 2. Olga Komjagina (RUS) 8:52,82 3. Olga Rossejewa (RUS) 8:55,51

  • Dreisprung: 1. Tereza Marinowa (BUL) 14,70 m 2. Tatjana Lebedewa (RUS) 14,48 3. Francoise Mbango (CMR) 14,06

  • Stabhochsprung: 1. Swetlana Feofanowa (RUS) 4,50 m 2. Doris Auer (AUT) 4,40 (ÖR egalisiert) 3. Monika Pyrek (POL) 4,40

  • Kugel: 1. Astrid Kumbernuss (GER) 18,95 m 2. Connie Price-Smith (USA) 18,04 3. Lieja Koeman (NED) 18,02 weiter: 5. Walentina Fedjuschina (AUT) 16,34

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