Marketing, Strategie und Umfeld

24. August 2001, 21:30
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Der Bad Bleiberger Präsident Egon Putzi blickt in eine multifunktionale Zukunft

Mattersburg/Bad Bleiberg - Da lehnt Egon Putzi entspannt am Geländer des Mattersburger VIP-Hauses und blickt versonnen - nein: entschlossen - ins Pappelstadion hinein. Eben hat der benachbarte SV Baumgarten den in der Regionalliga Ost herumspukenden Schatten des Wiener Sportclubs mit 6:1 aus dem Wulkabecken heimgewatscht in die Tristesse des Wiener Fußballs. Während dieser Tragödie (oder Komödie) füllte sich das Pappelstadion mit 10.800 Zuschauern. Neben den Tribünen, unterm Viadukt der Bahn nach Sopron hinüber, bereiten sich allerlei Schaubuden und Ringelspiele darauf vor, zum "Mattersburger Stadtfest" zusammenzuwachsen. Und Egon Putzi schaut ins schreiende, trommelnde, biertrinkende, erregte Pappelstadion - eine Art Synonym für den momentanen Boom der Ersten Division -, und wer ihn dabei beobachtet, merkt, wie sein Kopf die Bilder jenes Projektes zurechtschleift, die er, der Präsident, sich von seinem Bad Bleiberg macht.

Umfeld

Sein Lieblingswort, das all diese Bilder in eine knappe Formel bringt, heißt: "Umfeld." Nicht dem Fußball alleine gilt des Fußballpräsidenten Augenmerk. Der ist eine Art "Marketingstrategie" fürs Umfeld, das seinerseits, so es funktioniert, wiederum den Fußball beflügelt. In Mattersburg wächst Umfeld und Fußball schon ein wenig zusammen, in Bleiberg nicht weniger. Was lag da näher, als dass die zwei sich zum Ende des ersten Herbst-Durchgangs verdient 1:1 trennten?

Die max.Zukunft

Mit Respektabstand führt Bad Bleiberg die Tabelle an, Präsident Putzis Zuversicht, mit der er in die max.Zukunft blickt, nährt sich freilich nicht nur davon. Sondern auch und vor allem vom "Umfeld", auf das Bad Bleiberg zusteuert und das sich in der "Kärnten Arena" kristallisieren soll. "2,5 bis drei Milliarden Schilling wird dieses multifunktionale Stadion kosten, für einen Großteil der Investitionssumme haben wir bereits eine Zusage." Multifunktional heißt, dass der Fußball nicht mehr das Herzstück sein wird können, er ist bloß Teil des Umfeldes. "Das Stadion wird die Mannschaft sponsern. Nicht wie bisher die Mannschaft das Stadion."

(DER STANDARD, PRINTAUSGABE 20.8. 2001)
Von Wolfgang Weisgram

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