Wer Groschen bringt, zahlt drauf

19. August 2001, 19:16
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Standard-Praxistest deckt finanzielle Tücken beim Einwechseln auf

Wien - Frau W. schleppt eine große rote Dose in eine CA-Filiale im 15. Bezirk - zwei Drittel gefüllt mit Groschen, Schillingen, Fünfern und Zehnern, gesammelt über Jahre, um die Geldbörse zu erleichtern. Rechtzeitig vor der Euroumstellung will sie das Kleingeld in Scheine umtauschen lassen - es könnte sich ja noch ein Paar Schuhe im Ausverkauf ausgehen. "Haben Sie eine Zählmaschine?", fragt W. die Kundenberaterin am Schalter - diese verneint (!). "Und diese Maschine im Eck", fragt W. weiter? "Ja, doch, das ist eine." Nun gut. "Können Sie die Münzen in der Dose - weil doch der Euro bald gilt - zählen und wechseln?" W. lässt nicht locker. "Nein, jetzt nicht." Gegenfrage: "Haben Sie ein Konto bei uns?" Nein, hat W. nicht. "Dann kostet das fünf Prozent des gezählten Betrages oder mindestens 30 Schilling." Und überhaupt, frühestens am Nachmittag könne das Geld gezählt werden. W. gibt auf und verlässt die Filiale.

Die Nationalbank rät Konsumenten, Schillingvorräte möglichst bald zu wechseln, um "während der dualen Währungsphase", wenn also Schilling und Euro als Zahlungsmittel in Österreich gelten, "längere Wartezeiten" an den Bankschaltern zu vermeiden. Sich die Schilling-Münzsammlung in Euro bar auszahlen zu lassen geht frühestens erst ab 2. Jänner 2002.

Skeptischer Blick

Zweiter Versuch in der Innenstadt: W. stellt die Dose aufs Schalterpult einer Hypo-Filiale. Sprücherl von vorne: Euro kommt, bitte Geld zählen und in Scheine wechseln. Die Dame schaut skeptisch: "Wie viel ist es denn?" "Weiß nicht, der Inhalt der Dose halt." "Geben S' her, ich lass' es durch die Maschine. Aber warten müssen S'." Macht W. doch glatt. Die Maschine rattert: 612 Schilling 45 Groschen zählt sie durch. Plus den Skarabäus-Glücksbringer, ebenfalls in der Dose. Das Service entpuppt sich als "goodwill" gratis, obwohl W. kein Konto bei der Hypo hat.

Münzsammelnostalgikern wie Frau W. wird das Wechseln, scheint's, nicht leicht gemacht, und es kostet. Die Bankenverbände haben empfohlen, für retournierte Münzen, die auf Spar- und Girokonten eingezahlt werden, keine Spesen zu verlangen. Der Praxistest des STANDARD bestätigt dies. In wahllos ausgesuchten Wiener Filialen größerer Banken wurde direkt am Schalter gefragt. Abgesehen von den Kosten pro Buchungszeile ist die Einzahlung aufs Konto (oder Sparbuch) gratis.

Zählen lassen kostet

Teuer wird es, das Geld bei den Automaten, die in vielen Foyers der Bankfilialen stehen, zählen zu lassen: Auch Selbstbedienung kostet. Der dazu durchgeführte STANDARD-Gebührenvergleich bezog sich auf bar zu bar. Das heißt Münzsammlung zählen und, in Scheine gewechselt, wieder bar auszahlen lassen.

Bezogen auf Frau W.s gesparte Summe von 612,45 Schilling, würde sie bei der Tiroler Sparkasse in der Inneren Stadt am meisten bezahlen: Mindestens 50 Schilling oder 1 % der Zählsumme. Bei der CA würden 30,62 Schilling verlangt (5 % Gebühr, mindestens 30 Schilling). Bei der Erste Bank fällt für den Inhalt der roten Dose 6,12 Schilling an Gebühren an (Regelung: 1 % der Zählsumme, max. 150 Schilling). Bei Raiffeisen nähme man mindestens 7 Schilling Gebühr (oder 1 % der Zählsumme). Bei der Bank Austria wird's kompliziert: 5 Schilling oder 2 Groschen pro Münze, die gezählt wird. (Andrea Waldbrunner, DER STANDARD, Printausgabe 20.8.2001)

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Von Lydia Ninz
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