AUA: Auf der Suche nach dem Wunderwuzzi

19. August 2001, 18:30
2 Postings

Strategiewechsel bei Vorstandspoker

Bei der Suche nach einem neuen Vorstand für die Austrian Airlines, der das vorzeitig in die Wüste geschickte Vorstandsduo Rehulka und Bammer abösen soll, kam es offensichtlich zu einem Strategiewechsel. Sollte ursprünglich ein "starkes Team" von vier Mitgliedern gebildet werden, setzt die ÖIAG nunmehr darauf, zunächst einen intern "Wunderwuzzi" genannten CEO (Chief Executive Officer) zu finden, der anschließend seine Vorstandskollegen bestimmen soll.

Davon zeugen die zum Wochenende in Medien (Presse und Format) zirkulierenden "Short Lists" möglicher CEO-Kandidaten. Relativ neu auf dieser Liste der "üblichen Verdächtigen" ist die frühere Nummer zwei der skandinavischen Airline SAS, Vagn Sørensen, der sowohl dem STANDARD vergangene Woche von Insidern genannt wurde als auch in einem Format-Bericht als Favorit gilt.

Ehrgeiz

Sørensen war bei der SAS für Verkauf und Marketing zuständig und wird als fähiger Manager beschrieben, dessen Ehrgeiz es immer war, in den Chefsessel aufzurücken. Obwohl er mit 41 Jahren der ÖIAG-Vorgabe einer "Verjüngung" des AUA-Vorstands entsprechen würde, hat Sørensen einen entscheidenden Schönheitsfehler: Er verlor seinen Posten als SAS-Vize vor wenigen Wochen, nachdem SAS von der EU-Kommission wegen verbotener Preisabsprachen zu einer saftigen Strafe verdonnert wurde. Keine guten Voraussetzungen, um die EU-Kommission davon zu überzeugen, dass die Allianz der AUA mit der Lufthansa auf einigen Strecken nicht zu einer Monopolstellung führt.

Weiterhin wird Ex-ÖBB-General Helmut Draxler als aussichtsreicher Kandidat für den CEO-Posten kolportiert. Vater dieses Wunsches sei Finanzminister Karl-Heinz Grasser, der seiner FP-Kollegin Monika Forstinger die Ablöse Draxlers als Bahnchef bis heute übel nehme. Draxler habe sich zwar nicht beworben, wurde jedoch zu Gesprächen eingeladen. Es würde wohl einiger Zugeständnisse bedürfen, um ihn zu überzeugen, und dagegen spricht die politische Optik: Als Bahnchef nicht mehr tragbar, als AUA-Chef super - das lässt sich schwer verkaufen.

Ferner liefen

Unter ferner liefen werden gehandelt: der österreichisch-britische Staatsbürger Carl Michel, der bei British Airways zwar geschätzt wird, aber nicht als "Alphatier" mit Führungsqualitäten gilt; Lufthansa-Vertriebschef Thierry Antinori, der dazu von der Oberliga (die Lufthansa ist sechsmal so groß wie die AUA) in die Unterliga wechseln müsste - "es sei denn die Lufthansa will ihn los werden"; und Christoph Müller, den die Swiss Air von der Lufthansa abwarb und zum Sabena-Chef machte, wo er dringend benötigt wird. Ewiger Jolly Joker: Ex-Tyrolean-Chef Fritz Feitl.

Insgesamt, so ein Insider zum STANDARD, habe diese Liste "versammelt, was als Airline-Manager derzeit in Europa verfügbar ist". Anders als von ÖIAG-Chef Johannes Ditz angekündigt seien Rehulka und Bammer in ihre Nachfolge nicht eingebunden. (DER STANDARD, Printausgabe 20.8.2001)

Analyse von Helmut Spudich

LINK
AUA

Share if you care.