Todesschütze von Genua äußert Bedauern

19. August 2001, 17:44
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"Ich konnte nichts anderes tun"

Rom - Der italienische Polizist, der während der G-8-Krawalle in Genua einen Demonstranten erschossen hat, hat in einem Zeitungsinterview Bedauern über den Vorfall geäußert. "Es tut mir leid, ich konnte nichts anderes tun", zitierte die Tageszeitung "Corriere della Sera" Mario Placanica am Sonntag. "Wenn ich die Wahl gehabt und hätte vermeiden können, was passiert ist, hätte ich das getan", hieß es weiter. "Ich hätte nie gedacht, dass ich mich in einer solchen Situation finden würde."

Placanica wurde selbst bei den Krawallen verletzt. Er erhole sich davon auf dem Land bei der Familie seiner Freundin, sagte er. Möglicherweise werde er dem Vater des getöteten Carlo Giuliani schreiben. Für ein persönliches Gespräch mit ihm sei es aber noch zu früh. Er habe schwierige Dinge zu klären, auch mit sich selbst, zitierte die Zeitung den 21-jährigen Polizisten.

Mit Protestzügen und Gedenkveranstaltungen wollen Demonstranten am Montag an den Tod des 23-Jährigen vor einem Monat erinnern. Auch vor dem Gefängnis in Genua, in dem noch immer mehrere Demonstranten festgehalten werden, sind Veranstaltungen geplant. Bei den Ausschreitungen wurden mehr als 200 Demonstranten verletzt und rund 300 festgenommen. Im Anschluss wurden massive Vorwürfe gegen die Sicherheitskräfte laut, weil einige Polizisten mit unangemessener Gewalt gegen die Demonstranten vorgegangen seien. Als Konsequenz aus der in- und ausländischen Kritik an dem überaus harten Polizeieinsatz enthob Innenminister Claudio Scajola drei ranghohe Polizeileiter ihrer Posten. (APA/AP)

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