Schumacher wieder Weltmeister

24. August 2001, 10:41
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Der Titelverteidiger siegt in Budapest vor Rubens Barrichello. Ferrari sicherte sich auch die Konstrukteurs-WM

Budapest - Michael Schumacher hat in der Gluthitze von Budapest kühlen Kopf bewahrt und sich souverän und vorzeitig zum vierten Mal zum "König" der Formel 1 gekrönt. Der ungefährdete Rekord-Sieg beim Großen Preis von Ungarn sicherte dem Ferrari-Star nicht nur den schnellsten Weltmeister- Titel seiner Karriere und den zweiten mit der "Scuderia" in Folge. Ferrari bejubelte dank Rubens Barrichello auch einen Doppel-Erfolg und den Gewinn der Konstrukteurs-WM. Kein Wunder, dass Schumacher bei der Sieger-Pressekonferenz vor Rührung fast in Tränen ausbrach.

Alain Prost ist eingeholt

Mit dem vierten Titel nach 1994, 1995 und 2000 holte Schumacher Alain Prost nicht nur in der "ewigen" Rangliste der Weltmeister sondern auch als Rekordhalter an GP-Siegen mit seinem 51. Grand-Prix-Triumph ein. Niemand hat mehr Siege in der Formel 1, nur einer hat mehr WM-Titel: Der fünfmalige Champion Juan Manuel Fangio. Und die Chancen, dass Schumacher sogar Fangio überholt, stehen nicht schlecht, hat er doch seinen Ferrari-Vertrag bereits bis 2004 verlängert.

Weltmeister nach 13 von 17 Saisonrennen, so früh war die Titel-Entscheidung zuletzt 1992 gefallen, als der Brite Nigel Mansell ebenfalls in Budapest vorzeitig alles klar machte. Seine Titel 1994, 1995 und 2000 waren alle zu einem späteren Zeitpunkt der Saison entschieden.

Von der Menschlichkeit bei Ferrari überwältigt

"Ich fahre vielleicht ganz gut Auto, aber in so einer Situation die richtigen Worte zu finden, da tu ich mir schwer", gestand er. Und betonte emotional: "Der Sieg und der Weltmeister-Titel, das ist etwas ganz besonderes. Aber das ist nichts im Verhältnis zum Wie. Die Teamarbeit, der Zusammenhalt, auch in den Jahren davor. Dass die Jungs im Team so hinter mir stehen, das habe ich noch nie erlebt. Da ist so viel Menschlichkeit, dass ich allen danken möchte", sagte der Weltmeister sichtlich von Gefühlen überwältigt.

Missgeschick vor dem Start

Nur auf dem Weg zur Startaufstellung war dem souveränen Titelverteidiger bei Temperaturen von über 30 Grad und vor über 120.000 Zuschauern ein Missgeschick passiert. Schumacher setzte seinen Ferrari ins Kiesbett, die Mechaniker mussten den Dienstwagen noch schnell säubern. Doch beim Start ging dann alles glatt: Schumacher, der nach der 41. Pole Position seiner Karriere in Reihe eins neben Coulthard stand, kam gut weg. Barrichello überholte zudem den Schotten und hielt dem Deutschen den Rücken frei.

Coulthard interessieren nur Siege

Zwar gelang es Coulthard, Barrichello beim ersten Boxenstopp zu überholen, aber beim zweiten Stopp wurden die Plätze wieder getauscht. Es war letztlich für die WM-Entscheidung egal, denn auch Platz zwei hätte Coulthard nicht mehr genügt. Schumacher führt vier Rennen vor Schluss 43 Punkte vor dem Schotten, das ist nicht mehr wett zu machen. Coulthard nahm es nüchtern zur Kenntnis. Dass die WM ab nun eine eher langweilige Angelegenheit wird, wird vor allem Bernie Ecclestone nicht besonders freuen. Coulthard ist der Kampf um den Vizeweltmeistertitel jetzt schon ziemlich egal. "Mich interessieren nur Siege." (APA/dpa)

Ergebnis Ungarn-GP (Streckenlänge: 77 Runden a 3,975 km/306,069 km):

1. M. Schumacher (GER) Ferrari 1:41:49,675 Std.
2. R. Barrichello (BRA) Ferrari + 3,363 Sek.
3. D. Coulthard (GBR) McLaren-Mercedes + 3,940
4. R. Schumacher (GER) Williams-BMW + 49,687
5. M. Häkkinen (FIN) McLaren + 1:10,253 Min.
6. N. Heidfeld (GER) Sauber-Petronas + 1 Runde
7. K. Räikkönen (FIN) Sauber-Petronas + 1 Runde
8. J.P. Montoya (COL) Williams-BMW + 1 Runde
9. J. Villeneuve (CAN) BAR-Honda + 2 Runden
10. J. Alesi (FRA) Jordan-Honda + 2 Runden
11. P. de la Rosa (ESP) Jaguar + 2 Runden
12. J. Verstappen (NED) Arrows + 2 Runden

Ausgeschieden:

Eddie Irvine (GBR) Jaguar, Enrique Bernoldi (BRA) Arrows-Asiatech, Giancarlo Fisichella (ITA) Benetton-Renault, Heinz-Harald Frentzen (GER) Prost-Acer, Jarno Trulli (ITA) Jordan-Honda, Jenson Button (GBR) Benetton-Renault, Luciano Burti (BRA) Jaguar, Olivier Panis (FRA) BAR-Honda, Tarso Marques (BRA) European-Minardi, Fernando Alonso (ESP) European-Minardi

Schnellste Runde:

Mika Häkkinen (FIN) McLaren-Mercedes 1:16,723 Min. (Schnitt: 186,515 km/h)

BIOGRAFIE:

Geboren am 3. Jänner 1969 in Hürth/Rheinland
Wohnsitz: Vufflens-le-Chateau/Schweiz
Erster Grand Prix: 25. August 1991, GP Belgien, Jordan-Ford
Erster GP-Sieg: 30. August 1992, GP Belgien, Benetton-Ford
GP-Starts: 157 Pole-Positionen: 41 Siege: 51 Grand-Prix-Punkte: 772

Familie: Verheiratet mit Corinna; Tochter Gina Maria; Sohn Mick

Erfolge: Viermaliger Weltmeister: 1994 (Benetton-Ford), 1995 (Benetton- Renault), 2000 (Ferrari), 2001 (Ferrari)

Erster deutscher Weltmeister mit Ferrari; Top-Verdiener der Branche mit geschätzten 633 Mill. S (46,0 Mill. Euro) Gesamt- Einkünften brutto im Jahr; Vertrag mit Ferrari bis 2004;
Ehrenbürger von Maranello

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