Michail Gorbatschow trauert um die UdSSR

19. August 2001, 13:54
6 Postings

Der Beginn des August-Putsches jährt sich zum zehnten Mal - Gorbatschow würdigt Jelzins "riesige historische Rolle"

Moskau - Der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow hat am zehnten Jahrestag des August-Putsches altkommunistischer Funktionäre in Moskau die Auflösung der Sowjetunion bedauert. "Diesen Staat hätte man auf der Grundlage einer Regionalisierung und Demokratisierung reformieren sollen", zitierte die russische Agentur Interfax Gorbatschow am Sonntag. Nach dem Scheitern des Putsches gegen Gorbatschow fiel die Macht Boris Jelzin, dem Präsidenten der damaligen Teilrepublik Russland, zu. Die Sowjetunion wurde im Dezember 1991 aufgelöst.

Nur ein Dutzend vorm Weißen Haus

Am Jahrestag versammelte sich nach Augenzeugenberichten bis Mittag lediglich ein Dutzend Demonstranten vor dem Weißen Haus am Moskwa-Fluss zur Totenehrung. Vor dem Sitz des damaligen Parlaments waren 1991 drei junge Männer von Panzer-Einheiten der Putschisten getötet worden. Der August-Putsch gilt als letzte verzweifelte Machtdemonstration der alten Sowjet-Nomenklatura.

"Jelzin hat riesige historische Rolle gespielt"

Gorbatschow würdigte die "riesige historische" Rolle seines späteren Nachfolgers Boris Jelzin. Jelzin hatte sich den Putschisten damals entgegengestellt und den Widerstand gegen den Staatsstreich der Hardliner angeführt. "Ich denke, hier muss man ihm Respekt zollen. Er hat eine riesige historische Rolle gespielt", sagte Gorbatschow über seinen langjährigen Widersacher.

In Moskau versammelten sich am Sonntag nur etwa 100 Demonstranten, um an die Ereignisse vor zehn Jahren zu erinnern. Vor dem russischen Parlamentsgebäude, vor dem damals die Panzer auffuhren, verteilten sie Flugblätter. Die Menge wurde zahlenmäßig jedoch deutlich von Polizisten und Journalisten übertroffen. Einige Demonstranten trugen Bilder von Jelzin. Als einziger Vertreter der jetzigen Regierung nahm Arbeitsminister Alexander Potschinok an der Veranstaltung teil.

Der russische Präsident Wladimir Putin ließ sich nicht sehen, er fuhr am Samstag in den Urlaub. "Es ist kein Wunder, dass sich hier niemand aus dem Kreml blicken lässt. Das Regime, was wir jetzt haben, ist die Neuauflage des Putsches", sagte der liberale Abgeordnete Sergej Juschenkow.

Im Urlaub abserviert

Während Gorbatschow auf der Krim Urlaub machte, meldete die Nachrichtenagentur TASS am 19. August 1991, der Staatschef sei krank und müsse sein Amt niederlegen. Ein "Notstandskomitee" aus Alt-Kommunisten übernahm die Macht, Gorbatschows Vize Gennadij Janajew wurde Interimspräsident. Der Putsch scheiterte jedoch am Widerstand von Gorbatschows damaligem Widersacher Jelzin und Zehntausenden Demonstranten. Am 22. August kehrte der Kreml-Chef nach Moskau zurück. Der Coup besiegelte jedoch das Ende der UdSSR.

Am 19. August 1991 hatten kommunistische Hardliner Gorbatschow in seinem Feriendomizil auf der Krim unter Hausarrest gestellt. Sie verhängten über mehrere Teile der Sowjetunion den Ausnahmezustand; ein achtköpfiges "Staatskomitee für den Ausnahmezustand" übernahm die Macht. Die Widerstandsbewegung unter Jelzins Führung ließ den Staatsstreich nach drei Tagen scheitern. Doch Ende des Jahres trat Gorbatschow zurück, die Sowjetunion hörte auf zu existieren. (APA/AP/dpa)

Die Männer, die den Staatsstreich übten, machen heute wieder Staat
Damals wollten sie die Sowjetunion mit Gewalt retten und den letzten Sowjet-Präsidenten Michail Gorbatschow stürzen ...
Share if you care.