Großer Jubel um "Ariadne auf Naxos"

19. August 2001, 18:54
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Glänzende sängerische Leistungen - Viel Beifall für die Wiener Philharmoniker, Buhs für Regisseur Jossi Wieler

Salzburg - Einen Tag nach der umstrittenen "Fledermaus" fand heute, Samstag, Abend im Großen Festspielhaus in Salzburg eine weitere Musiktheaterpremiere statt, der Skandalpotenzial nachgesagt worden war. Richard Strauss' Oper "Ariadne auf Naxos" wurde jedoch ein Fest des Wohlklangs und des Wohlgefallens. Riesenjubel gab es um das Sängerensemble, allen voran Natalie Dessay als hinreißende Zerbinetta mit sensationeller Stimme, Mut zu viel nackter Haut und einer Power von "Madonna"-Qualität. Auch Deborah Polaski als Primadonna und Ariadne sowie Susan Graham als Komponist wurden mit Bravos bedacht. Beifall auch für die Wiener Philharmoniker und Dirigent Christoph von Dohnanyi.

Die Feierstimmung des Publikums schien einzig die Inszenierung von Jossi Wieler und seinem Co-Regisseur und Dramaturgen Sergio Morabito zu trüben - das Regieteam wurde neben viel Applaus auch mit energischen Buhrufen empfangen. Zu Unrecht, vermied Wieler doch jeden aufgepfropften Regiegag und entwickelte in dem von Anna Viebrock aus vielen Versatzstücken der Festspielhaus-Möblierung stimmig zusammengestellten Foyer-Raum eine behutsame Deutung gleich zweier Stücke. Denn die Inszenierung begreift Vorspiel und Oper als zwei unabhängig zu sehende Werke - was den Protagonistinnen des Abends, Natalie Dessay und Deborah Polaski, Gelegenheit zu gleich zwei höchst unterschiedlichen Rollengestaltungen gibt.

Die letzte Opernpremiere der Ära Gerard Mortier scheint konservative Musikfreunde nach der Aufregung um die "Fledermaus" wenigstens teilweise wieder versöhnt zu haben. (APA)

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