"Ohne Gleichheit wird es kein Wachstum geben"

18. August 2001, 20:07
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Lateinamerika will sozialverträgliche Globalisierung

Santiago de Chile - Lateinamerika hat bei dem Gipfeltreffen der Rio-Gruppe in Chile eine Globalisierung gefordert, die die sozialen Belange und die Gleichberechtigung nicht aus den Augen verliert. "Bei der Globalisierung muss es Änderungen geben", sagte Chiles Präsident Ricardo Lagos am Samstag zum Abschluss der Beratungen von 19 Staats- und Regierungschefs in Santiago. Ohne Gleichheit werde es kein Wachstum geben, warnte der Gastgeber. Lateinamerika müsse seine Interessen mit "einer Stimme" verteidigen.

Die zweitägige Konferenz wurde von der akuten argentinischen Finanzkrise überschattet. Die Staats- und Regierungschefs sagten ihrem argentinischen Kollegen Fernando de la Rua ausdrücklich ihre Unterstützung bei der Überwindung der Probleme zu.

Lagos sprach sich für die Entwicklung von Strategien aus, die die "Ansteckungsgefahr der Finanzmärkte verringern". Auch US-Präsident George W. Bush habe in einem Telefongespräch Unterstützung bei dem Bemühen um eine Beruhigung der Finanzmärkte zugesagt. Allerdings steht die US-Regierung milliardenschweren Hilfspaketen kritisch gegenüber.

Das hochverschuldete Argentinien kann nur noch gegen extrem hohe Zinsaufschläge Kredite auf dem freien Markt aufnehmen und ist deshalb faktisch auf Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank und mögliche bilaterale Hilfszusagen angewiesen.

Die Rio-Gruppe wurde 1986 bei einem Treffen von acht Präsidenten lateinamerikanischer Staaten ins Leben gerufen. Dabei ging es zunächst um die Suche nach einem diplomatischen Ausweg aus den bürgerkriegsähnlichen Konflikten in Zentralamerika. Inzwischen hat sich die Gruppe zu einem Diskussionsforum für alle Aspekte der regionalen Zusammenarbeit entwickelt. (APA/dpa)

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