Spiegel bestürzt über Anstieg antisemitischer Gewalt in Deutschland

18. August 2001, 16:32
4 Postings

Präsident des Zentralrats der Juden: "Schleichender Gewöhnungsprozess mit verheerenden Folgen"

Berlin - Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, hat sich bestürzt über den Anstieg rechtsextremistischer und antisemitischer Gewalt in Deutschland geäußert. Im Gespräch mit "Welt am Sonntag" bezog sich der ranghöchste Vertreter der Juden in der Bundesrepublik auf die am Freitag von Innenminister Otto Schily vorgelegten jüngsten Zahlen.

Nach der Halbjahresstatistik hat die Zahl fremdenfeindlicher und antisemitischer Straftaten in den ersten sechs Monaten 2001 erneut zugenommen. "Ich bin tief bestürzt", sagte Spiegel. Die Zahlen zeigten, dass es keinen Grund gebe, die Hände in den Schoß zu legen. "Wir dürfen uns nicht an die kontinuierlich schleichende Zunahme der rechtsextremistischen Gewalt gewöhnen", fuhr der Zentralratspräsident fort. Alle Demokraten müssten sich gemeinsam gegen diese Entwicklung stemmen. "Wir dürfen nicht wegsehen, sondern müssen hinsehen", sagte Spiegel.

Dazu gehöre auch, dass Straftaten gemeldet würden. Denn auch Hakenkreuzschmierereien an Hauswänden und Hetzschriften im Internet seien eine Schande für Deutschland und ein Schlag ins Gesicht der Opfer des Nationalsozialismus. Schließlich würden dadurch die Hemmschwellen in der Bevölkerung gesenkt und der Boden für rechtsradikales Gedankengut gelegt - "ein schleichender Gewöhnungsprozess mit verheerenden Folgen", warnte Spiegel. (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.