900 Rechtsextremisten bei "Heß-Gedenkmarsch"

19. August 2001, 08:43
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13 Festnahmen im oberfränkischen Wunsiedel

Wunsiedel - Ein "Rudolf-Heß-Gedenkmarsch" und eine Gegenkundgebung sind am Samstag im oberfränkischen Wunsiedel ohne nennenswerte Zwischenfälle über die Bühne gegangen. Bei massiven Kontrollen an den Zufahrtsstraßen nahm die Polizei im Vorfeld der Demonstrationen elf Neonazis und zwei Personen aus der autonomen Szene fest. Wegen strenger Auflagen der Behörden begann der Aufmarsch von fast 900 Rechtsextremisten aus ganz Deutschland erst mit zweistündiger Verspätung. Hundertschaften der Polizei schirmten den Zug durch die Innenstadt von Wunsiedel ab.

Die Polizei teilte mit, die linken Demonstranten, die an der Gegendemonstration eines antifaschistischen Aktionsbündnissseien teilnahmen, waren wegen des Versuchs festgenommen worden, sich zu vermummen, die elf Rechten, weil sie Schlagringe und Schlagstöcke bei sich getragen hätten. Polizisten riegelten den Friedhof ab, auf dem Heß begraben liegt. Beamte kontrollierten weiträumig alle Ausfallstraßen in die Gemeinde im Fichtelgebirge. Die Polizisten stellten zahlreiche Schlagstöcke sicher, ferner Messer, Reizgas und Eisenstangen. Insgesamt habe es bei dem Aufmarsch und der Abschlusskundgebung rechter Gruppierungen keine besonderen Vorkommnisse gegeben.

"Rache für Rodolf Heß

Rudolf Heß hatte am 17. August 1987 Selbstmord begangen. Der Hitler-Stellvertreter hatte sich im Kriegsverbrechergefängnis von Berlin-Spandau das Leben genommen. Seitdem war der Friedhof in seiner oberfränkischen Heimatstadt zum Wallfahrtsort für Rechtsextremisten geworden, bis das Landratsamt 1991 erstmals ein allgemeines Demonstrationsverbot verhängte. Am Freitag jedoch hob der Bayerische Verwaltungsgerichtshof das Versammlungsverbot überraschend auf.

n Rheinland-Pfalz hängten Unbekannte an Brücken entlang der B 10 und A 65 bei Kandel vier Leintücher mit Aufschriften wie "Rache für Rudolf Heß" auf. Die Staatsanwaltschaft Landau teilte mit, es sei ein Strafverfahren gegen Unbekannt eingeleitet worden. (APA/dpa/Reuters)

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