Patent droht amerikanischer Stammzellenforschung

18. August 2001, 13:32
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Stärkere Einschränkung als durch Bushs Entscheidung möglich

New York - Ein Patent droht die staatlich geförderte Stammzellenforschung in den USA weitaus stärker einzuschränken als von US-Präsident George W. Bush bei seiner Entscheidung vor einer Woche beabsichtigt. Nach einem Bericht der "New York Times" vom Freitag hatte der erste und größte Lieferant von embryonalen Stammzellen weltweit, eine Organisation in Madison (US-Staat Wisconsin), im März das US-Patent 6,200,806, für seine fünf Zelllinien zugesprochen bekommen.

Die Organisation namens WARF (Wisconsin Alumni Research Foundation) wiederum hat die kommerziellen Rechte für die wichtigsten Zelltypen, die sich aus den embryonalen Stammzellen gewinnen lassen, an eine kalifornische Biotechnologiefirma verkauft.

Mitarbeiter der Staatlichen Gesundheitsforschungsinstitute der USA (NIH) in Bethesda bei Washington wollen sich dem Zeitungsbericht zufolge in der kommenden Woche mit Vertretern von WARF treffen und nach Wegen suchen, wie die Stammzelllinien allen interessierten Forschern zugänglich gemacht werden können. Der Organisation WARF ist das Forschungsinstitut WiCell in Madison angeschlossen, das von dem Entdecker embryonaler Stammzellen, James Thomson, gegründet worden war, und das diese Zellen mittlerweile weltweit verkauft.

Verhandlungen

Außer mit den Gesundheitsforschungsinstituten in Bethesda verhandelt WARF mit der Biotechnologiefirma Geron Corp. in Menlo Park (Kalifornien) über deren kommerzielle Rechte an ihren Stammzellen, wie ein Vertreter der Organisation am Freitag sagte. Geron hatte Thomsons Stammzellenforschung mit einer Million Dollar (511.292 Euro/7,04 Mill. S) finanziert und im Austausch dafür die Rechte zur Nutzung von sechs Zelltypen erhalten, die sich aus den Stammzellen entwickeln lassen: Blut-, Knochen-, Leber-, Muskel-, Nerven- und Bauchspeicheldrüsen-Zellen.

Mit ihnen hoffen Mediziner, einmal die schlimmsten Krankheiten der Gegenwart, von Herzleiden über Krebs bis zu neurologischen Störungen wie die Parkinsonsche und die Alzheimer-Krankheit lindern oder sogar heilen zu können. (APA/dpa)

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