Angst vor "Warlord-Syndrom"

19. August 2001, 18:57
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Nato-Vorhut in Mazedonien - Künftige Spaltung der UCK-Rebellen befürchtet

Skopje - Vom Urteil des Generals Joseph Ralston hängt es ab, ob die Nato mehr als die 400 Soldaten nach Mazedonien entsendet, die am Wochenende dort eingetroffen sind. Das Kriterium: Einhaltung des Waffenstillstands zwischen Armee und Rebellen. Der Nato-Oberbefehlshaber für Europa wird am heutigen Montag in Skopje erwartet.

Die rund 400 Soldaten starke Voraustruppe sollte noch am Sonntagabend einsatzbereit sein. Anfang der Woche sollen dann die britischen, französischen und tschechischen Soldaten in die Rebellengebiete ziehen, um dort die Waffenabgabe vorzubereiten.

Lage noch nicht beruhigt

Dabei hat sich die Lage noch immer nicht vollständig beruhigt. Nicht nur, dass die Nato-Einheiten in Blace zum Teil mit Straßenbarrikaden von slawisch-mazedonischen Nationalisten empfangen wurden. In Tetovo gab es am Samstag albanischen Angaben zufolge auch wieder Schüsse von Heckenschützen.

Verletzungen der Waffenruhe seien inakzeptabel, sagte Barney White-Spunner, der britische Kommandant der Brigade, die die Waffen einsammelt, am Samstag in Skopje. Diese Übergriffe zeigten, dass es aufseiten der Mazedonier und der Albaner am notwendigen Willen fehle. Bevor der Nato die Entsendung von Truppen empfohlen werden könne, müssten erst noch verschiedene Maßnahmen ergriffen werden. - Die Nato plant, 3500 Soldaten zu entsenden. Die endgültige Entscheidung hat das Bündnis jedoch vom Urteil White-Spunners und General Ralstons abhängig gemacht.

UCK bekräftigt Wille zur Waffenabgabe

Nach der Ankunft der ersten Nato-Truppen bekräftigten die UCK-Rebellen am Sonntag ihre Bereitschaft zur Waffenabgabe. UCK-Chef Ali Ahmeti: "Alle UCK-Kämpfer werden ihre Waffen abgeben." Soweit die UCK betroffen sei, werde es keine Probleme geben.

Eine Existenz von U¸CK-Abweichlern dementiert die Nato offiziell und bestreitet, dass hier Gefahren für die Entwaffnungsaktion liegen könnten. Offiziere der Allianz räumen aber im privaten Gespräch ein, dass Unzufriedenheit über das Friedensabkommen die Rebellenbewegung in eine Hand voll Nachfolgeorganisationen aufsplittern könnte. Besonders militante Nationalisten könnten dann versuchen, auf eigene Faust den Kampf für den albanischen Staat weiterzuführen.

Ein Nato-Mann: "Um ehrlich zu sein - wir fürchten das Warlord-Syndrom." - Einzelne Kriegsherren könnten Herrschaftsgebiete im Bergland nahe der Grenze zum Kosovo errichten. (DerStandard,Print-Ausgabe,20.8.2001,red, AP)

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