Mindestens 78 Tote bei Hotelbrand auf Philippinen

19. August 2001, 22:50
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Behörden ermitteln wegen gravierender Sicherheitsmängel - Besitzer untergetaucht

Manila - Nach dem qualvollen Tod von 78 Menschen bei einem Hotelbrand auf den Philippinen droht dem Eigentümer wegen Missachtung der Sicherheitsvorschriften eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung. Der Besitzer ist nach der Katastrophe untergetaucht.

Das Hotelmanagement habe die Brandschutzrichtlinien gleich mehrfach missachtet, teilten die Behörden am Sonntag in Manila mit. Es habe keine Sprinkleranlage, keine Notbeleuchtung und nur unzureichend gekennzeichnete Notausgänge in dem sechsstöckigen "Manor Hotel" in Quezon City gegeben.

Die Gäste waren auch wegen schwerer Gitterstäbe vor den Fenstern in dem brennenden Gebäude gefangen. Das Feuer brach gegen 4.30 Uhr Ortszeit in der Nacht auf Samstag aus. Auslöser war Ermittlern zufolge ein Kabelfehler. Die meisten Opfer, unter ihnen auch Kinder, erstickten in ihren Zimmern im dichten Rauch. Mindestens 38 Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Ausländer waren nicht unter ihnen.

Untersuchung "binnen 24 Stunden"

Die Ermittlungen dauerten am Sonntag an. Innenminister Jose Lina forderte, die Untersuchungen "binnen 24 Stunden" abzuschließen. Voraussichtlich werde am Montag Anklage gegen den Hotelbesitzer erhoben, kündigte der Leiter der Ermittlergruppe, Romeo Villafuerte, an. Auch die für die Lizenzvergabe zuständigen Behördenvertreter würden verhört.

Der Bürgermeister von Quezon, Feliciano Belmonte, warf den Beamten vor, mit dem Hotelmanagement gemeinsame Sache gemacht zu haben. Außerdem habe "der Hotelbesitzer permanent gegen alle möglichen Regeln verstoßen" und niemand habe etwas dagegen unternommen. Die Polizei werde die Räume der zuständigen Behörden verschließen, damit keine Dokumente entwendet werden könnten. "Ich hoffe, dass Köpfe rollen werden", ergänzte der Bürgermeister.

Bei den Rettungsarbeiten spielten sich dramatische Szenen ab. Von der Straße aus waren hinter den Fenstergittern weinende und schreiende Gäste zu sehen, die nicht aus ihren Zimmern entkommen konnten. Ganze Familien riefen verzweifelt um Hilfe. Der Direktor des Nationalen Katastrophenschutzes, Johnny Yu, sprach von "niederschmetternden Bildern". "Es war so traurig zu sehen, dass die Leute einfach hilfos festsaßen". Feuerwehrmänner mussten die Fenstergitter mit Kreissägen durchtrennen. Nur wenige Menschen konnten auf diese Weise befreit und über Feuerwehrleitern in Sicherheit gebracht werden.

Sektenmitglieder als Opfer

Die Flammen wüteten in der dritten und vierten Etage des Hotels, doch auch im fünften und sechsten Stockwerk wurden Hotelgäste tot aufgefunden, die erstickt waren. Insgesamt hielten sich in der Unglücksnacht etwa 200 Gäste in dem billigen Hotel auf. Die meisten der Toten waren Mitglieder der christlichen Sekte "Gottes Herde", die zu einem Kongress angereist waren. Ein Überlebender berichtete im Radio, es habe weder Feueralarm noch Notausgänge gegeben. Nach Angaben der Feuerwehr widersprechen Eisengitter vor den Fenstern den Sicherheitsvorschriften. Der Feuerwehrchef der Stadt, Ricardo Nemeze, wurde vorläufig vom Dienst suspendiert.

Die Ermittler prüften Berichte, wonach das Hotel bei einer Inspektion vor zwei Monaten wegen Baumängeln gerügt wurde und Anweisungen erhielt, die Missstände binnen 30 Tagen zu beheben. Präsidentin Gloria Arroyo besuchte die Überlebenden im Krankenhaus und forderte eine rasche Aufklärung sämtlicher Umstände der Tragödie.

Im März 1996 waren bei einem Diskothekenbrand in Quezon 161 Menschen getötet worden. Danach waren Baugenehmigungen und die Einhaltung der Brandschutzbestimmungen in Quezon genau unter die Lupe genommen worden. (APA/dpa)

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