Abu-Jamal setzt Kampf gegen Todesurteil fort

17. August 2001, 20:59
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Anwälte beantragen Wiederaufnahme des Verfahrens

Philadelphia - Der in den USA zum Tode verurteilte schwarze Bürgerrechtler und Journalist Mumia Abu-Jamal hat am Freitag einen neuen Versuch unternommen, das Urteil juristisch anzufechten. Vor einem Gericht des Staates Pennsylvania in Philadelphia beantragten seine Anwälte die Wiederaufnahme des Verfahrens. Sie begründeten dies mit neuem Beweismaterial, das möglicherweise die Unschuld des Verurteilten belegen könnte.

Von einem Bundesgericht war das Beweismaterial im Juli mit der Begründung zurückgewiesen worden, Abu-Jamal habe mit dessen Vorlage zu lange gewartet. Mit dem jetzt eingereichten Antrag wollen die Anwälte zunächst erreichen, dass sich Richterin Pamela Dembe hinsichtlich der angestrebten Wiederaufnahme des Verfahrens für zuständig erklärt. In der nur etwa 30 Minuten dauernden Anhörung wies Richterin Dembe Verteidigung und Staatsanwaltschaft an, ihre Anträge schriftlich vorzulegen. Die Verteidigung hatte beantragt, dies mündlich tun zu dürfen.

Solidaritätsdemonstrationen

Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich rund 1.000 Anhänger Abu-Jamals, um für dessen Freilassung zu demonstrieren. Anschließend zogen sie zum Sitz des Bezirksstaatsanwalts und forderten auf Transparenten Gerechtigkeit für Abu-Jamal. Auch in Berlin kam es am Freitag zu einer Protestaktion. Mehrere Dutzend Anhänger Abu-Jamals bauten vor der amerikanischen Botschaft die Attrappe eines elektrischen Stuhls auf.

Bekennerschreiben vorgelegt

Abu-Jamal wurde wegen der Ermordung eines Polizisten im Jahr 1981 verurteilt. Seine Unterstützer halten ihn aber für unschuldig und sehen in ihm ein Opfer einer rassistischen Polizei. Für seine Unschuld soll nun auch das Schreiben eines Mannes sprechen, der sich darin zum Auftragsmord an dem Polizisten bekannte. Abu-Jamal hatte das Schreiben in diesem Jahr der Justiz vorgelegt.

Der Rundfunkjournalist Abu-Jamal gilt als engagierter Kritiker von Justiz und Polizei in den Vereinigten Staaten. Wiederholt hatte er bereits vor seiner Inhaftierung Willkür bei der Verfolgung Farbiger angeprangert. Seitdem veröffentlicht er Bücher über seine Hafterfahrungen. Abu-Jamals Fall hat auch international Aufsehen erregt. (APA/AP)

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    Solidaritätskundgebung für Abu-Jamal in Paris

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